Presse - Details

 
30.11.2006

Den Dichterfürsten mit Rap ergründen

von Thomas Stridde TLZ

Jena. (tlz) Schiller- und Goethe-Gedichte vor 1000 Schülern - und alle sind ganz futsch und weg. Das ist am morgigen Freitag kein verzweifelter Traum eines Deutschlehrers, sondern höchstwahrscheinlich Realität: Der Rapper "Doppel-U" alias Christian Weirich ist einmal wieder in seiner Heimatstadt zu erleben und gibt in der POM-Arena am Jenzigweg ein Hip-Hop-Konzert für Schüler der Klassen 7 bis 12.
Im "Schillerjahr" hatte sich Weirich mit seinen in Rap-Form dargebrachten Gedichten des Jubilars einen Namen gemacht. Mittlerweile ist er - gefördert vom Goethe-Institut - von Montag bis Freitag in ganz Europa (Schweden und Luxemburg zum Beispiel) und im gesamten Bundesgebiet unterwegs, erbringt an Schulen und Universitäten den Beweis, "dass spielerischer Umgang mit dem Weltkulturerbe" möglich ist, wie der 24-Jährige sagt.

Weirich verhehlte gestern nicht: Die Unternehmung "Doppel-U" - Managerin Antje Hübner an der Seite - läuft richtig gut; die mediale Aufmerksamkeit ist enorm und reichte schon von "Kinderkanal" bis zum Besuch bei TV-Talker Johannes B. Kerner und guten Kontakten mit Szenen-Ikone "Thomas D". Ein interaktives Rap-Hörbuch zu "Doppel-U" - längst gehört Goethe mit ins Programm - ist beim renommierten Schulbuchverlag Schroedel erschienen. Und mit der im Dezember fertiggestellten Singleauskoppelung "Ode an die Freude" hofft Weirich, im Radio guten Einstieg zu finden.

Morgen gibt "Doppel-U" zunächst ab 10 Uhr ein 45-Minuten-Konzert; anschließend lernen die Schüler gemeinsam mit ihm Goethes "Gefunden". Und von 11 Uhr an ist gemeinsames Rappen des Refrains der "Ode an die Freude" angesagt.

Nein, er werde in Zukunft "nicht alle toten Dichter ausgraben", sagte Weirich. "Ich muss mich in ihnen wiederfinden." Bei Goethe und Schiller finde er "diese Schwerelosigkeit". Auch der "Zauberlehrling" sei ein "fetter Song" geworden.

Die morgige Veranstaltung (2 Euro pro Schüler Eintritt) wird tatkräftig von POM-Chef Gernot Heckel gestützt, der die Nettokaltmiete sponsert, indes ein ostdeutscher Cola-Brauer auf seine Kosten die Gäste mit Getränken versorgt. Ganz wichtig: Ein Teil der Einnahmen wird an die Jenaer Kinderhilfestiftung überwiesen.