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01.09.2011

Dem Erzähler Martin Stade zum 80.

von Matthias Biskupek Ostthüringer Zeitung

Seine Lebenswanderungen führten Martin Stade durch das Oderbruch, nach Seelow und Sachsen und wieder heim ins thüringische Haarhausen. Foto: ddp

Er führte Thüringer Autoren auf den Spuren von Jakob van Hoddis, schrieb über den jungen Bach in Arnstadt und über die Nachkriegszeit. Arnstadt. 1998 wanderte ein gutes Dutzend Schriftsteller von Frankenhain am Thüringer Wald nach Erfurt, auf jenen 40 Kilometern, die einst der expressionistische Dichter Jakob van Hoddis (1887-1942) zurücklegte. Das "Wandern über dem Abgrund" war ein Gang über eine historische Weltkriegslandschaft und eine sagenumwobene.


Ein Schriftsteller aus der Gegend, Martin Stade, machte damals den Wanderleiter, Imbissquartiergeber und Jonastal-Kenner. Da war er grad nach längeren Lebens-Wanderungen durch das Oderbruch, Seelow und Sachsen, nunmehr Rentner, wieder bei seinen Wurzeln sesshaft geworden, in Haarhausen.


Von diesem Winkel Thüringens war Stade aufgebrochen, zunächst als FDJ-Funktionär, als junger Autor mit Dorfgeschichten, die mehr waren, als der Name besagt. "Der himmelblaue Zeppelin" hieß sein erster Sammelband, später schrieb er historische Romane, protestierte gegen die Biermann-Ausbürgerung und trat schließlich aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. So konnte man ihn nicht rausschmeißen.


Als ich dieses Frühjahr für einen erkrankten Kollegen einspringen musste und etwas über und von Johann Sebastian Bach erzählen sollte, stieß ich auf den 1985 in Hamburg bei Hoffmann & Campe erschienenen Roman "Der junge Bach" - von Martin Stade. Ich suchte ja nur zitierfähige Stellen vom Leben Bachs in Thüringen. Und wurde in eine Welt versetzt, nach Arnstadt, in jene paar Monate ab August 1703, da Bach hier seine Stelle als Organist an der Neuen Kirche antrat. Das war so farbig und detailreich, so urkundengenau und doch phantasievoll beschrieben, dass ich mich glücklich schätzte, ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen endlich auf diesen Roman gestoßen zu sein. Die Arnstädter können sich noch glücklicher schätzen. Seit 1985 haben sie ihr Heimatbuch. Das 1990 den heimatfreundlicheren Titel "Zwischen Schlehdorn und Paradies" bekam. Andernorts steht so etwas in den Stadt-Annalen, verkünden Stadt-Führer dies an pas-senden Stadt-Ecken.


Spätere Erzählungen Stades habe ich schon früher gelesen. Darunter "Der Steinbruch", just dort spielend, wo im Mai 1998 das Autorendutzend über dem Abgrund wanderte. Die Geschichte führt zurück, als Stade ein 13-jähriger Junge war und in einen jener Abgründe blickte, die zu Kriegsende im einfachen wie im übertragenen Sinne sich überall auftaten. Daran darf und muss man an seinem heutigen 80. Geburtstag erinnern.