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03.02.2006

'Da gehe ich mit ihnen chloroform'

von Kai Agthe TLZ

Berlin. (tlz) WM-tauglich: Eine Sammlung von Fußballer-Zitaten im Westentaschenformat, aus der man endlos zitieren möchte. Skurrile, weil wider Willen (r)ausgerutschte Fußballweisheiten, die Schenkelklopfer sind. Der in der Überschrift zu lesende Ausspruch etwa stammt von einem damals hoffentlich nicht benebelten Helmut Schön. Er hätte aber auch von der Trainerlegende Max Merkel sein können, der ebenfalls für so manchen sprachlichen Fauxpas gut war und folglich in "Sprechen Sie Fußball?" mehrfach vertreten ist.

Auch Franz "der Kaiser" Beckenbauer wird in dem Schatzkästlein der Merkwürdigkeiten wiederholt zitiert. So etwa mit der überraschenden Erkenntnis: "Die Schweden sind keine Holländer. Das hat man ganz genau gesehen." Kommentator Marcel Reif kannte in seiner Begeisterung keine Grenzen, als er ins Mikro rief: "Kamerun - beste Mannschaft Europas!" In dieser Tradition steht Andreas "Fräulein" Möller, der in seinen besseren Jahren von einer Karriere im Ausland träumte und da nicht wählerisch war: "Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien." Man sieht, Fußball-Europa ist grenzenlos.

Voller Poesie ist eine frühere Auskunft von Ailton: "In momento ´n bisschen guck." Wie ein anschließender Kommentar dazu liest sich der Satz des Spielers Markus Weißenberger, der einmal über einen Spielerkollegen sagte: "Was mich an ihm am besten gefällt, ist, dass er auch ein bisschen Deutsch kann." Da möchte man mit Mario Basler antworten: "Ich lerne nicht extra Französisch für Spieler, wo diese Sprache nicht mächtig sind."

Recht so! Man sollte stets um den Balken im eigenen Auge wissen. Wie der bereits zitierte Andreas Möller: "Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber." Der einstige BVB-Spieler ist einer der wichtigsten Aphoristiker im Fußball, denn von ihm stammt auch dieses Bonmot: "Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl." Wie es zu solchen Fehlleistungen kommt, weiß Franz Beckenbauer: "Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser." Das hätte ein Karl Valentin gewiss nicht besser formulieren können.

Die Zitate sind aber keine Sprachfouls, wie der Untertitel im Rasenspielvokabular suggeriert, da Fouls ja oft taktischer, also vorsätzlicher Natur sind. Es handelt sich vor allem um ungewollte sprachliche Entgleisungen, die aus dem Moment heraus geschehen: aus Freude über den Sieg, aus Frust über eine Niederlage oder aus dem Zwang, das Spiel, kaum dass es der Schiri abgepfiffen hat, für Fernseh- und Hörfunksender sofort analysieren zu müssen.

Wer den Sinn des Spiels so kurz vor der WM im eigenen Land noch immer nicht durchschaut haben sollte, dem sei es mit den übergewichtigen Worten des Fußballphilosophen Rainer Calmund erklärt: "Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf: Wer die meisten Tore schießt, der gewinnt." Haben Sie das verstanden? Wenn nicht, auch nicht schlimm, denn schon Gerd Müller wusste: "Wenn´s denkst, ist eh zu spät." Und weil´s so schön ist, soll zum Abschluss Mario Basler seiner Familie winken dürfen: "Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern."

i Sprechen Sie Fußball? Die schönsten Sprachfouls. Zusammengestellt von Günter Eisenhuber. Residenz Verlag, St. Pölten-Salzburg, 62 S., 2.90 Euro