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03.10.2017

Chrystal Meth und eine ganz normale Familie: Verena Zeltner aus Neunhofen legt neues Buch vor

von Brit Wollschläger

Autorin Verena Zeltner – zwischen hohen Stapeln ihres druckfrischen Buches „ICEzeit – In den Klauen des weißen Drachen Crystal“. Foto: Brit Wollschläger

Neustadt/Neunhofen. Das Thema heißt Crystal Meth. So nennt man eine höchst gefährliche synthetische Droge, das meist kristalline Methamphetamin, das auch im Saale-Orla-Kreis von Menschen verschiedener Altersgruppen konsumiert wird. Auch von Eltern.

Die Neunhofener Autorin Verena Zeltner erinnert sich noch ganz genau, wie erschrocken sie war, als eine Schulleiterin ihr vor Beginn einer Lesung von einer Schülerin erzählte. Das Mädchen hatte am Morgen in der Schule gesagt, ihre Mama sei schon wieder auf Droge. „Was geht in so einem Kind vor?“, fragte sich Zeltner damals. „Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen“, beschreibt die Autorin. Und seit dem, seit genau drei Jahren, sammelt sie Informationen über die Droge und ihre Präsenz im Saale-Orla-Kreis. „Ich habe jeden Artikel aus der OTZ ausgeschnitten, in dem es um Crystal Meth ging. Und das waren sehr viele“. Verena Zeltner besuchte seitdem jede öffentliche Veranstaltung des Netzwerkes „Courage gegen Drogen“ im Saale-Orla-Kreis, angefangen bei der Fachtagung zum Thema „Crystal Meth – Familie in Gefahr“ im November 2014.

„Diese Veranstaltungen und Gespräche mit den Netzwerkakteuren haben mir bei der Recherche sehr geholfen“, berichtet Verena Zeltner. Unter anderem erhielt sie detaillierte Informationen von Sören Fröhlich, Polizeibeamter im Saale-Orla-Kreis, der viele Jahre als Drogenfahnder im Einsatz war und zu den Gründern des Netzwerkes gehört. Sören Fröhlich musste leider von Müttern berichten, denen – nach dem Eindruck der Polizeibeamten – die Droge und ihr Handy wichtiger waren als ihre Kinder. Verena Zeltner erfuhr von Fällen, in denen das Jugendamt des Saale-Orla-Kreises Kinder drogenabhängiger ­Eltern in Obhut nehmen musste.

Und so reifte bei der Kinder- und Jugendbuchautorin die Idee, ein Buch aus der Sicht eines Kindes zu schreiben – eines Kindes, dessen Mama auf Droge ist. Sie erhielt dafür sogar ein Förderstipendium des Thüringer Kulturministeriums, weil das Thema aus diesem Blickwinkel noch nicht behandelt worden sei. Und so schrieb sie die traurige Geschichte des 14-jährigen Ben. Er lebt in einer ganz normalen Thüringer Familie. Vater, Mutter, zwei Kinder. Beide Eltern voll berufstätig. Papa arbeitet auswärts und ist nur an den Wochenenden zu Hause. Ben hat eine kleine Schwester, die in den Kindergarten geht. Alles ganz normal – bis sich die junge Mutter verändert. Dass sie in ihrem Job immer und immer wieder Überstunden macht, damit kommt der Junge noch klar. Aber als sie dann auch noch nachts ausgeht und nicht mehr müde zu werden scheint, immer so verdächtig gut drauf ist, eines Tages aber so fest in den Tag hinein schläft, dass er sie nicht wach kriegt und Angst um sie haben muss, wird es furchtbar komisch. Ben versucht, für seine kleine Schwester da zu sein, ist aber bald total überfordert. Das Leben der ganzen Familie gerät allmählich aus den Fugen.

„Als ich das Manuskript nach einer längeren Pause wieder gelesen – und laut vorgelesen – habe, war ich dann selbst total mitgenommen, mir blieb die Stimme weg und mir kamen die Tränen“, berichtet Verena Zeltner aus dem Entstehungsprozess des jüngsten Buches. Nun begann sie mit dem Korrekturlesen und so mancher inhaltlicher Verfeinerung. Schließlich gelang ihr auch das perfekte Foto für den Buchtitel. Es zeigt ein ernstes kleines Mädchen mit seinem Plüschhasen an der Hand des Vaters. Das Mädchen vom Titelbild ist übrigens in Schweden zu Hause und war gerade zu Besuch im Saale-Orla-Kreis. Ihre Eltern waren mit der Veröffentlichung einverstanden.

„ICEzeit – In den Klauen des weißen Drachen Crystal“ heißt der neue Roman von Verena Zeltner. Er ist im Thami Verlag Neunhofen erschienen, die Kreissparkasse Saale-Orla-Orla übernahm die Druckkosten, und seit ein paar Tagen liegt die erste Auflage vor. „Das war ein sehr schöner Moment, als die Lieferung kam“, sagt die seit elf Jahren freiberufliche Autorin. „Viele hatten schon danach gefragt“, erzählt sie. Die ersten Termine für Lesungen gibt es schon. Weitere können gern direkt mit der Autorin vereinbart werden.