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11.02.2013

Bundesverdienstkreuz für Martin Straub

von Thomas Stridde TLZ

Foto: Thomas Stridde

 

Jenas Lese-Förderer Martin Straub hat gestern 70. Geburtstag gefeiert und bekam von Kultusminister Christoph Matschie das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.

Jena. Sonst ist das Café "Central" an der Südseite des Marktplatzes eine zum Abend hin öffnende Restauration: eine "Absacker"-Institution, wo leichte oder schwere Gedanken qualitätsvoll umspült zirkulieren. Gestern begann das "Absacken" schon vormittags, weil sich die entäußerten Gedanken vor allem um den Literatur-Förderer Dr. Martin Straub und dessen 70. Geburtstag drehten (siehe auch Kulturteil der TLZ vom Samstag) und folglich sehr viele Literaten und Kulturfreunde bis hin zu Bürgermeister Frank Schenker (CDU) etwas zu vermelden hatten.

Kultusminister Christoph Matschie (SPD) zum Beispiel hatte das Bundesverdienstkreuz am Bande dabei, um es Straub zu überreichen ihm, dem habilitierten Literaturwissenschaftler, der mit Brecht Geburstag hat und seit 50 Jahren in Jena wirkt, der vielen als Mitinitiator des Thüringer Lese-Zeichene.V. und guter Geist im Förderverein des Verbandes deutscher Schriftsteller bekannt ist.

Vor vielen Jahren habe er hier an der Theke gestanden, sagte Christoph Matschie , und damals nicht gedacht, ferneren Tags am selben Ort mit einer Urkunde aufzutauchen, die Bundespräsident Joachim Gauck unterschrieben hat "sein" Stadtjugendpfarrer, als er, Matschie, in Rostock Theologie studierte.

Straub habe sich "reingekniet in die Förderung junger Menschen", sagte Matschie. Es verdiene höchste Anerkennung, mit wie viel Kraft und Energie Straub etwa bei der Arbeit im Lese-Zeichen e.V. über Jahre durchgehalten hat. Der Minister lobte Straubs "neue ungewöhnliche Wege" der Literaturvermittlung, wenn man etwa an die Förderung des Jenaer Rappers "Doppel U" denke, der sich auf die Präsentation von Schiller-Gedichten und -Balladen per Sprechgesang spezialisiert hat. "Das hätte Schiller genauso gut gefallen", sagte Matschie. Und möge dies von Kennern auch distinguiert-kritisch bewertet worden sein so sei auf diese Weise doch "ernst und seriös" Zugang zur Klassik eröffnet worden. Herauszustellen sei etwa auch Straubs Buchprojekt mit Kindern aus Einwandererfamilien.

Martin Straub gab sich gestern "geneigt, um Nachsicht zu bitten", was seinen Blick auf sein Leben betrifft. "Das ist ja die Crux: Je weniger Zeit einem bleibt, je mehr hat man hinter sich." Er sprach von "früheren und weiteren Irrtümern" und hier ganz bei dem ihm nahen Schriftsteller Franz Fühmann wie schwer es sei, aus der eigenen Haut rauszukommen. Straub sprach eigene Tiefpunkte wie die Arbeitslosigkeit nach der Wende an, als die Arbeitsamtsvermittlerin zu ihm sagte: "Sie sind ja schon wieder hier." Immerhin jedoch, so berichtete der passionierte Ausdauerläufer, habe er in der Arbeitslosigkeit seine beste Marathonzeit erreicht.

Zudem habe es da Flauberts Sentenz "Lies, um zu leben" als Vereinsmotto gegeben. "Und dafür arbeite ich gern", sagte Straub, der auch bedenkliche Tendenzen im literarischen Leben anklingen ließ: "Lyrik kommt zu kurz, weil man sagt: Es rechnet sich nicht." Oder: Im ländlichen Raum hätten manche Schulen eben "keinen Förderverein und kaum Berührung mit den Künsten".
Drum plädierte Martin Straub für eine Stärkung des "basiskulturellen Bereichs" ohnehin dieser "weiche Standortfaktor" als Beschreibung der Rolle von Kultur doch ein "seltsamer Begriff" sei.