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09.03.2006

Bücherklaumesse

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Lutz Rathenow bringt zur Buchmesse Leipzig zwei Bände heraus und erinnert sich an die Achtziger

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Merkel Ende der achtziger Jahre treiben DDR-Zoll und Autor Lutz Rathenow auf der Leipziger Buchmesse ein Katz- und Maus-Spiel. Während der Zoll regelmäßig Rathenows Buch "Ostberlin - Die andere Seite einer Stadt" einkassiert, schmuggelt der Schriftsteller neue Exemplare in die Messehalle und platziert sie wieder im Regal des westdeutschen Piper-Verlages. Das Buch ist mit einem Einfuhrverbot belegt, darf also nicht präsentiert werden. "Es sollte doch aber geklaut werden können", sagt der in Jena geborene Autor. Bücherdiebstahl war auf der Messe ein Massensport.
Inzwischen sind Lutz Rathenows Bücher ganz offiziell ausgestellt. Zur diesjährigen Leipziger Buchmesse, die kommenden Donnerstag eröffnet wird, ist er mit zwei Neuerscheinungen vertreten, mit dem Kinderbuch "Ein Eisbär aus Apolda" und der Fortsetzung seines "Ostberlin"-Buches "Gewendet - Vor und nach dem Mauerfall: Fotos und Texte aus dem Osten".

Während "Ostberlin" das Lebensgefühl in der vor sich hin bröckelnden Hauptstadt der DDR beschreibt, setzt "Gewendet" die Vorwendezeit in Kontrast zur Gegenwart, erzählt vom Verschwinden der Vergangenheit. Fotograf Harald Hauswald liefert wieder Schwarz-Weiß-Bilder, Lutz Rathenow Zeitbetrachtungen. Der Nachfolger fällt allerdings wesentlich edler aus. Anstelle eines schmalen Paperbacks bringt der Jaron Verlag nun einen großformatigen Text-Bild-Band heraus. Neben Berlin unternehmen die zwei Autoren darin Ausflüge in die Provinz, etwa an die Ostsee, nach Thüringen und Sachsen.

"Die Fotos nehmen diesmal mehr Platz ein", sagt Lutz Rathenow. Harald Hauswald stellt unter anderem eine altmodische Berg- und Talbahn einer Loopingschleuder der heutigen Spaßgesellschaft gegenüber. Er hält fest, wie sich der idyllische Fischkutter-Hafen von Vitte auf der Insel Hiddensee zum Segelboot-Parkplatz entwickelt hat. Und erinnert an die FDJ-Gruppen, die sich einst unterhalb des Berliner Fernsehturms versammelt haben. Dort, wo heute Mountainbiker die Treppen akrobatisch hinunterfliegen.

Braucht Lutz Rathenow mal eine Pause von den ernsthaften Themen, schreibt er Kindergeschichten, wie er sagt. Eine Auswahl aus den letzten 20 Jahren hat er in "Ein Eisbär aus Apolda" zusammengestellt. Darin treiben die sieben Geißlein die Mutter aus dem Haus. Ein Thüringer Kartoffelkäfer hegt den Wunsch, die Fidschi-Inseln zu besuchen. Und ein Elefant ist wegen seines ganz kleinen Rüssels tieftraurig, weint einen ganzen See und wird zum See-Elefanten. Bebildert werden die im Leiv-Verlag erscheinenden Tiergeschichten vom renommierten Buchillustrator Egbert Herfurth.

Auf Europas größtem Lesefestival "Leipzig liest", das die Leipziger Buchmesse vom 16. bis 19. März begleitet, wird Rathenow in sechs Veranstaltungen seine beiden Bände vorstellen.

>> www.buchmesse-leipzig.de Zitat:

"Was sich an der Leipziger Buchmesse verändert hat? Heute kann man nicht mehr so gut Bücher klauen."

(Autor Lutz Rathenow)