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09.07.2013

Bücherei-Index: Der "Bibliotheksboom" erlaubt gute Prognosen

von Luise Schendel TLZ

Erhielt Top-Bewertungen: Die Ernst-Abbe-Bücherei im Jenaer Volkshaus Foto: Michael Groß

Neuer Index bewertet auch Thüringer Leseeinrichtungen.

Weimar. Allen bisherigen Spekulationen zum Trotz verdrängen die neuen digitalen Medien das gelesene Wort nicht. Dies prognostiziert der Deutsche Bibliotheksverband, der am Montag die neuen Ergebnisse des Bibliotheksindex (BIX) veröffentlicht hat. "Obwohl im Durchschnitt etwa 40 Prozent der Erwerbsetats für die digitalen Leseangebote ausgegeben werden, brauchen wir uns keine Sorgen machen, dass die Bibliotheken verwaisen", betont der Vorsitzende des Verbands und Direktor der Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar, Frank Simon-Ritz. Grund hierfür sei vor allem die jetzige Studierendengeneration, die "sehr genau zwischen privatem und universitärem Bereich" trenne, weiß Simon-Ritz. Es gehe schließlich auch um die ganz besondere Arbeitsatmosphäre, die man nur in Bibliotheken fände.

Der Blick in die Universitätsbibliothek Weimar zeigt: Wer morgens zuweilen nach einem Internet-fähigen Arbeitsplatz sucht, muss sich auf einen harten Konkurrenzkampf einstellen. Im Angesicht solcher Realszenarien mag auch die eruierte Tendenz des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU), aufgehen, der von einem wahren "Bibliotheksboom" spricht. Doch auch die außeruniversitären Leseeinrichtungen werden laut BIX gut frequentiert. So besucht jeder Einwohner in Deutschland seine Gemeinde- oder Stadtbibliothek im Schnitt zweimal im Jahr. "Der Index zeigt, wie stark die Bibliotheken gebraucht werden und welchen Stellenwert sie als Orte im öffentlichen Leben haben", glaubt Simon-Ritz. Der Bibliotheksdirektor sieht für die Thüringer Bibliotheken eine besonders positive Entwicklung.

Weniger öffentliche Institutionen

Als Grund hierfür nennt er vor allem, dass bei den wissenschaftlichen Bibliotheken neben der UB Weimar auch die UB Erfurt, die UB Ilmenau und die Bibliothek der FH Erfurt teilgenommen haben. Die lägen zwar im Vergleich allesamt im Mittelfeld, hätten damit aber eine hervorragende Leistung erbracht, beteuert Simon-Ritz im Angesicht der leistungsfähigen Spitzen-Konkurrenz. Vor allem für die Bibliotheken in Erfurt sei im Index eine sehr gute Arbeit mit knappen Ressourcen verzeichnet worden. Angesichts dieser guten Leistungen sei jedoch schade, so Simon-Ritz, dass die Beteiligung der öffentlichen Bibliotheken am Index im Vergleich zum Vorjahr weniger geworden sei.

Umso herausragender stellte sich die Ernst-Abbe-Bücherei in Jena dar, die mit vier von vier möglichen Sternen die Höchstpunktzahl der Bibliotheken in Städten mit mehr als 100"000 Einwohnern erreichte. Die Bibliothek zählt damit zu den besten knapp 20 Prozent der insgesamt 280 Leseeinrichtungen, die sich in diesem Jahr zum freiwilligen nationalen Leistungsvergleich angemeldet hatten. Auch die Hochschulbibliothek der Fachhochschule Erfurt und die Stadt- und Regionalbibliothek der Landeshauptstadt hatten es in den Kategorien Angebot und Nutzung in die Spitzengruppe geschafft, während die Universitätsbibliotheken in Weimar und Erfurt vor allem mit ihrer Nutzerfrequenz punkteten.

Der BIX vergleicht in den öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken das Leseangebot, den Medienbestand, den Etat für Neuerwerbungen, die Nutzung in Besuchen und Entleihungen, die Nutzbarkeit in Öffnungsstunden, die Effizienz der Bibliothek und ihrer Mitarbeiter, aber auch das Entwicklungspotenzial der Leseeinrichtungen.