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10.04.2013

Buch-Tipp: Unbeugsam und streitbar

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Annerose Kirchner über frühe Gedichte von Stefan Heym, erschienen zum 100. Geburtstag

Stefan Heym war sein Leben lang ein unbeugsamer, streitbarer Intellektueller. "Es ist Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt. Auch wenns unbequem ist, wenn es ihn schmerzt oder ökonomisch schadet", lautete die Maxime dieses bedeutenden DDR-Schriftstellers und überzeugten Sozialisten. Heute wäre Stefan Heym 100 Jahre alt geworden.

Die wenigsten seiner Leser, die Romane wie "Der König David Bericht", "Ahasver", "Collin" und die Autobiografie "Nachruf" schätzen, wissen, dass Stefan Heym seine schriftstellerische Karriere als Dichter begann. Geboren am 10. April 1913 in Chemnitz als Helmut Flieg, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, versuchte er sich schon als Schüler am Dichten. Das in der Chemnitzer "Volksstimme" am 7. September 1931 veröffentlichte hochpolitische Gedicht "Exportgeschäft" löste mit Verszeilen wie "Wir lehren Mord! Wir speien Mord!/ Wir haben in Mördern großen Export!" einen Skandal aus. Der 18-Jährige war gezwungen, das Gymnasium zu verlassen, nach Berlin zu gehen, wo er Journalistik studierte. 1933 floh er nach Prag und nahm den Namen Stefan Heym an.

Eine Auswahl dieser Gedichte aus den Jahren 1930 bis 1936 - die letzten Verse entstanden im Exil in Chicago - veröffentlichte erstmals anlässlich des 100. Geburtstag der Verlag C. Bertelsmann unter dem Titel "Ich aber ging über die Grenze". Obwohl Stefan Heym diese Gedichte als mittelmäßig abtat und später kaum erwähnte, waren sie doch bedeutend für seinen späteren Lebensweg, als anklagende Zeugnisse gegen den Nationalsozialismus und aufklärerische Zeugnisse über die Macht der Diktatur. Verfasst hat er sie in deutscher Sprache, während er im Exil in den USA als Journalist und Schriftsteller auf Englisch schrieb.

Stefan Heym starb am 16. Dezember 2001 in Israel.

Stefan Heym:"Ich aber ging über die Grenze". Frühe Gedichte. Mit Collagen v. Horst Hussel. C. Bertelsmann. 128 S., 14,99 Euro