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16.10.2002

Buch der Raniser Stadtschreiberin

von Dieter Fechner UNZ

Bei den Literaturtagen auf Burg Ranis stellte im Sommer 1999 der erste Stadtschreiber York Sauerbier sein Buch ?Silberfischchen? vor. Ihm folgten die Berliner Autorin Michaela Behrens als Stadtschreiberin und Heide Haßkerl. Der Raniser Stadtschreiber sollte nicht älter als 40 Jahre sein. Er erhält jeweils für den Zeitraum vom 1. August bis 1. Juli für 100 Tage freie Uterkunft mit Frühstück sowie ein Stipendium von 1500 Euro. Der Autor soll den Aufenthalt in der Qstthüringer Kleinstadt dafür nutzen, ein literarisches Werk mit Bezug zu Ranis oder zum Thüringer Umland zu schaffen. Das jeweilige Buch wird in 2500 Exemplaren gedruckt und zu den alljährlichen Autorentagen in Ranis vorgestellt. Gegenwärtiger Stadtschreiber ist der schreibende Lehrer Jochen Weeber aus Reutlingen ( Baden- Württemberg).
Die gebürtige Mühlhäuserin Heide Haßkerl (Jahrgang 1960) lebt seit 1991 im nordhessischen Liebenau/Ostheim. Die Umweltpädagogin bewirtschaftet ökologisch einen Bauernhof. Als Schriftstellerin debütierte sie mit ihrem Roman ?Papillome? (1994). Heide Haßkerl wurde 200l Stadtschreiberin in Ranis. Im Juni 2002 stellte sie ihr dort entstandenes Buch ?Herbstzeit? vor. Nach einem poetischen Einstieg über Jene Jahreszeit erzählt sie von Vera Draußenthal. Diese meint, eine erfolgreiche Journalistin zu sein, beherrscht vier Fremdsprachen, verfügt über Teamgeist, treibt viel Sport und nennt Sportwagen und Wohnung ihr eigen, aber keine Kinder. Ihr Team sind Natur und Umweltschutz. Mit dem Text "ABC der gesunden Kirche" bewirbt sich auch Vera als Stadtschreiberin in Ranis und wird nominiert. Die Autorin reflektiert deren Kindheit bei der Großmutter. Ihre Aufgabe, als Stadtschreiberin etwas schreiben zu müssen, stürzt sie in eine tiefe persönliche Krise mit einer nachhaltigen Selbstbefragung . ?Wer bin ich.?? Sie apostrophiert: ?Ungewöhnliche Lebensgeschichten finden in der Kindheit ihren Anfang.? Mehrere Episoden lassen erkennen, wie sich ihre Stellung zur bedrohten Natur entwickelt. Dabei weiß die Autorin Träume und Skurriles einzufügen, wie die fiktiven Gespräche der Journalistin mit einem Fliegenpilz.

Vera übersteht mit Hilfe ihrer Freundin Beate eine Pilzvergiftung Sie bekenn letztlich, sie wolle ihre Stipendium nutzen, ?den Menschen der Region ein Medium bieten, die sich für den Erhalt der Natur einsetzen.?
Heide Haßkerl weiß poetisch zu erzählen und manche literarische Stilmittel zu nutzen. Andererseits gelingt es ihr, die Selbstbefragung ihrer Hauptfigur gleichnishaft und psychologisch nachhaltig auszuloten. Hauptanliegen der Autorin ist es, die gegenwärtigen vielfältigen lauernden Gefahren und Bedrohungen für Natur, Umwelt und Mensch nachhaltig literarisch zu gestalten, ohne vordergründig nur den pädagogischen Finger zu heben. Um einen Dialog anzukurbeln, gewann die Autorin vier ?Fremdautoren? für Beiträge, die in dem Anhang des Buches aufgenommen wurden. Es sind Persönlichkeiten, die sich engagiert dafür einsetzen. die lebens- und liebenswerte Umwelt in Thüringen und darüber hinaus zu erhalten. Mit deren Beiträgen wird der umweltädagogische Hintergrund der Erzählungen unterstrichen.

Dieter Fechner (Haßkerl, Heide: Herbstzeit. Edition Burg Ranis. 2002. 158 Seiten, ISBN 3-00-009379-6, Preis 10 Euro)