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23.06.2008

Bonbons von Winfried Glatzeder

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

1400 Besucher bei Raniser Literaturtagen
Von OTZ-Redakteurin Ulrike Merkel Winfried Glatzeder wünscht die ganze Aufmerksamkeit des Publikums. Da darf kein Vogelgezwitscher stören. Deshalb las der Schauspieler am Samstagnachmittag bei den Literaturtagen auf Burg Ranis auch nicht im Burghof, sondern zog mit seinen fast 300 Gästen in die Stadtkirche um.
Doch auch die garantierte nicht absolute Ruhe. Ein Kind redete dazwischen, das Glatzeder aber charmant mit Süßigkeiten zum Schweigen brachte. "Wenn es Bonbons isst, kann es nicht mehr quatschen."

Glatzeders Lesung gehörte zu den Höhepunkten der 11. Thüringer Literatur- und Autorentage, die gestern zu Ende gingen. Renommierte Schriftsteller wie Friedrich Schorlemmer, Clemens Meyer und Sherko Fatah gestalteten das Programm ebenso wie Nachwuchsautoren.

"Wir sind sehr zufrieden", zog Anke Scheller, Kulturverantwortliche auf der Burg, ein erstes Fazit. Trotz Fußball-EM besuchten 1400 Zuschauer die 16 Veranstaltungen an 4 Tagen. Selbst zu Schorlemmer kamen am Donnerstagabend 140 Besucher, obwohl er sein Buch "Lass es gut sein - Ermutigung zu einem gelingenden Leben" parallel zum Spiel Deutschland gegen Portugal vorstellte. Und auch der erste Poetry Slam, eine Art Dichterwettstreit, stieß auf reges Interesse. "Unser Publikum ist neugierig; es lässt sich von Neuem nicht abschrecken", sagt Anke Scheller.

Winfried Glatzeder überzeugte das Publikum mit Humor und Schauspielkunst. Seine Autobiografie "Paul und ich" schlägt selbstironische Töne an. Als "unansehnliches Bündel" wird er im April 1945 geboren, entwickelt sich später "vom leidenschaftlichen Bettnässer zum leidenschaftlichen Hypochonder" und hofft, im Alter nicht zum Ersatzteillager mit künstlichem Hüftgelenk und Herzschrittmacher zu mutieren. Sonst sei er bei der Einäscherung nur noch ein Haufen Sondermüll, meint er lakonisch. Schauspieler ist er wegen der Mimin Anneliese Reppel geworden. Sie erzählte dem jungen Glatzeder einst, sie müsse nur ins Mikrofon Rülpsen und verdiene 100 Mark.

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