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10.01.2006

Bofingers Bildgeschichten

von Sabine Wagner Ostthüringer Zeitung

Auch in Ostthüringen hat der Ur-Berliner Karikaturist und Cartoonist eine große Fangemeinde

Von OTZ-Redakteurin Sabine Wagner Als Gotthard Brandler, Leiter des Satiricums in Greiz, gestern die Nachricht vom Tod seines Freundes Manfred Bofinger erhält, ist er erschüttert. "Wir kannten uns schon aus der gemeinsamen Berliner Zeit, von den ,Ausstellungen unterm Fernsehturm´, und haben nie den Kontakt verloren", sagte er im Gespräch mit der OTZ. "Manfred war ein sehr offener, freundlicher und hilfsbereiter Mensch, der eine unglaubliche Lebensfreude versprühte. Und seine Vielseitigkeit als Künstler hat er in zahlreichen Biennalen und später in den Triennalen im Greizer Sommerpalais unter Beweis gestellt."

Bofinger, der am Sonntag im Alter von 64 Jahren gestorben ist und seine Frau Gabriele und vier zum Teil erwachsene Kinder hinterlässt, wurde als Sohn eines Plakatmalers und einer Verkäuferin am 5. Oktober 1941 in Berlin geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung als Schriftsetzer und war von 1961 bis 1968 als Typograf bei der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" tätig. Der Bildgeschichten-Erfinder kam als Autodidakt zur Karikatur, bis der Zeichner Karl Schrader sein Talent entdeckte. Seither arbeitete er freiberuflich als Grafiker und Cartoonist, Autor und Illustrator.

"Ein ganz besonderes Verhältnis hatte Bofi, wie er liebevoll genannt wurde, zu Kindern", sagt Brandler. Seine eigene Kindheit beschrieb Manfred Bofinger in seinem 1998 erschienenen Erfolgsbuch "Der krumme Löffel". Unvergessen sind seine Mitwirkung an vielen Umschlägen der "Fibel", an Lehrwerken für den Deutsch- und Fremdsprachenunterricht oder seine Illustrationen von "Robinson" bis zum "Struwwelpeter". Der Ur-Berliner hat über 300 Bücher illustriert und selbst wunderschöne Bildgeschichten erzählt, darunter "Ein dicker Hund. Geschichten für Kinder" (2003, Aufbau-Verlag Berlin) oder "Das Gänsehaut-Buch" (Eichborn, 1994).

Für seine Arbeiten wurde Manfred Bofinger mehrfach ausgezeichnet: 1981 mit dem Kunstpreis der DDR, 1995 mit dem Schabernackpreis für sein "Gänsehaut-Buch" und von 1969 bis 1993 für viele "Schönste Bücher" und "Beste Plakate". Zuletzt hatte er mit dem Berliner Autor Bernd Siegmund die heiteren Reisebücher "Die Wahrheit über Störtebeker" und "Nackt im Osten" veröffentlicht.

Seiner Ostthüringer Fangemeinde war Manfred Bofinger nicht nur durch die Ausstellungen im Greizer Sommerpalais bekannt, darunter die gemeinsame Schau mit seinem Freund F.W. Bernstein unter dem Titel "Schön dumm & Nase voll". Viele Kollegen der OTZ erinnern sich an die Buchbasare, zu denen er auf unverwechselbare Art seine Kinderbücher signierte. Auch seine Ausstellung 1998 im MAK in Gera "Bofinger Spezial" mit Buchillustrationen und Gebrauchsgrafik wird im Gedächtnis bleiben.

Wenige Monate vor seiner schweren Krankheit, im Juni 2004, bekannte Manfred Bofinger in der Galerie Westerheide in Ranis seine Leidenschaft zu Katzen. Seine Ausstellung "Alles für die Katz´" dürfte seinem Kater Koschenka nicht gefallen, sagte er damals zu einer Kollegin. "Er meint nämlich, die Ausstellung müsse heißen: ,Alles für den Kater´". Und freute sich diebisch, seinem verwöhnten Vierbeiner, dem das teuerste Futter gerade gut genug ist, eins auszuwischen.

Am 18. März dieses Jahres sollte im Greizer Sommerpalais Bofingers Ausstellung "Von Kindern, Zwergen und anderen Größen" eröffnet werden. "Jetzt beraten wir über eine Gedenkausstellung", sagt Gotthard Brandler traurig. "Das sind wir dem Menschen und Künstler Manfred Bofinger und auch seinem Publikum hier in Ostthüringen schuldig."