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22.06.2004

Bofinger begeistert die Besucher auf der Burg

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Landolf Scherzer und Martina Rellin beenden diesjährige Literaturtage auf der Burg Ranis

Mit einem Programm für die ganze Familie sind am Sonntag die siebten Literatur- und Autorentage auf der Raniser Burg zu Ende gegangen.

Nachdem am Mittag der bisherige Stadtschreiber Thomas Bachmann mit seinem Büchlein "Hutzelbrutzel" Anklang bei allen Altersgruppen gefunden hatte, zog Manfred Bofinger am Nachmittag die Besucher in seinen Bann. Während sich der bekannte Karikaturist vor fünf Jahren in Ranis als Autor vorgestellt hatte, überzeugte er nun als Schnellzeichner. Parallel las Jens Sparschuh aus seinen Büchern. "Es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit er malt und die Gedanken des Autors in Bilder umsetzt", schwärmte Käthe Blöthner. "Durch meine Kinder und Enkelkinder habe ich viele angenehme Erinnerungen an Bofingers Bücher", sagte die Raniserin. Der prominente Gast aus Berlin hatte nach der Lesung mit Sparschuh nicht nur Autogramme zu geben, sondern erfüllte bereitwillig die Wünsche nach gemalten Elefanten und Kirschen. Dass sehr viele Jugendliche seine Bücher lesen, überrasche ihn zwar, doch gäbe es dafür eine Erklärung: "Sie wollen gerne wissen, wofür sich ihre Eltern und Großeltern interessiert haben."

Gleichermaßen groß war der Andrang zur Eröffnung einer Ausstellung mit Arbeiten Bofingers am Abend in der Raniser Galerie Westerheide. Dort stellt Bofinger bis Ende Juli aus.

Bei den anschließenden Lesungen mit Landolf Scherzer (Suhl) und Martina Rellin (Berlin) gab es ebenfalls zahlreiche Interessenten. Dass das Publikum den Autoren die Treue hielt, erfreute die Organisatoren. "Wir haben in der Vergangenheit beobachtet, dass einige Zuschauer eine Veranstaltung besuchen und anschließend gleich wieder nach Hause gehen. Das war diesmal nicht so", sagte Manfred Westerheide vom veranstaltenden Verein Lese-Zeichen.

Scherzer war für Sten Nadolny eingesprungen, dessen Absage die einzige blieb. Der Thüringer las aus seinem Buch "Schwarze Weisheiten". Es schildert den Alltag in Mosambik. Scherzer hatte nicht nur in dem afrikanischen Staat gearbeitet, sondern in Suhl das Leben von 180 Arbeitern aus diesem Land dokumentiert. Seine Begegnungen mit diesen Menschen schildert er im Buch "Die Fremden".

"Klar bin ich eine Ost-Frau", lautet der programmatische Titel eines Buches von Martina Rellin. Ihre Lesung zeigte, dass die ehemalige Chefin der Zeitschrift "Das Magazin" in ihren Werken den Nerv vieler Leser trifft. Auch wenn es in Ranis ein ungewohnt gemischtes Publikum gab. "Meistens sind 90 Prozent der Zuhörer Frauen." Zentrales Thema in ihren Romanen sind Frauen und das Verhältnis zu ihren Liebhabern. Den Literaturnachmittag in Ranis verglich die Bundeshauptstädterin mit "Urlaub an der Ostsee". Das laufe bei Paaren oft nach dem Motto ab: "Ich gehe mit, wenn Du mir anschließend auch Gesellschaft leistet."