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19.01.2004

Beste Werbung mit Zauber und Wortwitz

von Casjen Carl Thüringer Allgemeine

Der Friedrich-Bödecker-Kreis möchte das Lesen unter Kinder und Jugendliche fördern. Erstmals trafen sich Vertreter aller Landesverbände zu einer Arbeitstagung in den neuen Ländern - am Wochenende in Erfurt.

Einen ganzen Bus voll Autoren und Literaturfreunde unversehens in eine Werbeveranstaltung zu lotsen, das soll erst mal einer nachmachen. Dem Thüringer Landesverband des Friedrich-Bödecker-Kreises gelang es bestens. Die Arbeitstagung des Bundesvorstandes und der Landesverbände am Wochenende nahm unverkennbar solche Züge an.

"Die Autoren werden stärker wahrgenommen auch was künftige Einladungen zu Lesungen in anderen Ländern betrifft", gibt Malte Blümke, Bundesvorsitzender des Vereins zur Leseförderung und Literaturvermittlung, sein persönliches Resümee der Tagung mit Blick auf den Freistaat wieder. Die überzeugendste Raffinesse, die sich Organisatorin Ellen Blumert dabei ausgedacht hatte, war eine Lesung in der Kinder- und Jugendbibliothek am Samstag. Den Zauber von Literatur versprühte dabei nicht nur Ingrid Annel, obgleich sie mit ihrer vergnüglichen Geschichte über das "Hokus, Pokus Fidibus dreimal schwarzer Kater" sich in der Tat der Magier annahm. Mehr als ein Schmunzeln erntete auch Matthias Biskupek, der in allen Farben das Schwarz-Weiß der DDR-Zeiten schilderte. Oder der Jurist und Lyriker Thomas Spaniel, der als Schluss der ihm zustehenden 10-Minuten mit wortwitzig-zwirbelnden Zeilen zum "Z" Zwechfellzuckungen zelebrierte. Frank Ruprecht las passend zur Tagung pointierte und wahrlich aus dem Leben gegriffene Geschichten für Kinder, Rainer Hohberg ein Märchen aus eigener Feder.

"Das war beste Bödecker-Kreis-Qualität", sparte Malte Blümke nicht mit einem in dieser Runde wohl Höchstmaß an Lob. Überhaupt zeigte sich der Bundesvorsitzende von der Arbeit in Thüringen beeindruckt. Neben guten Autoren seien auch etliche Ideen in die Runde eingeflossen. Genau hierauf zielte die Tagung. Dass Literaturfreunde und Autoren aus allen Bundesländern sich austauschen, wie Kinder und Jugendliche Spaß an Büchern und dem Lesen finden können. "Das Ziel ist auf vielen Wegen zu erreichen", ergänzte dazu Bundesgeschäftsführer Udo von Alten. Neben den herkömmlichen Lesungen etwa durch Autorenpatenschaften für Schulen oder Schreibwerkstätten.

Wobei die vornehmlich für Schüler initiierten Literaturveranstaltungen des Bödecker-Kreises - gerade erst wieder erschien ein Katalog mit beteiligten Schriftstellern - ausdrücklich Autorenbegenungen und nicht Lesungen genannt werden. Das passte schließlich trefflich zum fünften Thüringer, der das kleine Programm mitgestaltete. Der stadtbekannte Märchenerzähler Andreas von Rothenbarth verzichtete auf die Zeilen vor den Augen und fesselte mit seinen Stories aus früheren Zeiten bis zum Schlussglöckchen. Nachdem die Teilnehmer von ihm ein zweitens Mal - die szenische Lesung tags zuvor mit Sonja Pfeil und Reinhard Friedrich (Initiative Neues Schauspiel) nahm sich auch des Themas an - die Geschichte des Grafen von Gleichen und seinen zwei Frauen hörten, sollten auch die letzten in den Dom gegangen sein, um die Grabplatte zu sehen. Ganz erstaunt, was Thüringen - neben guten Autoren - sonst so zu bieten hat. Die Männer waren vielleicht sogar ein wenig neidisch. Casjen CARL
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