Presse - Details

 
18.08.2009

Besinnliches beim Lesekonzert

von Hartmut Gerlach Ostthüringer Zeitung

Veranstaltung der Sparkassen-Kulturstiftung im Schillerhaus ist gut besucht

Von Hartmut Gerlach Rudolstadt. Leichte Kost war es nicht, die Werner Söllner, Jenny Feuerstein und Grita Bühler am Freitagabend im Innenhof des Schillerhauses servierten. Aber darauf war das zahlreich erschienene Publikum offensichtlich eingestellt.
In der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, dem Lese-Zeichen e.V, der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt und der Stadtverwaltung durchgeführten Veranstaltung "WortKlang - Lyrik im Konzert" boten der bekannte Lyriker Werner Söllner und Newcomerin Jenny Feuerstein Kostproben ihres literarischen Könnens. Dabei wehte mehr als ein Hauch von Besinnlichkeit, Ernsthaftigkeit, Tiefe und Melancholie über der einstündigen Veranstaltung, die durch die von Solocellistin Grita Bühler gekonnt dargebotene 3. Suite C-Dur von Johann Sebastian Bach noch verstärkt wurde. Doch es fehlte auch nicht an heiteren Momenten. So wie bei "Der chinesische Löffel", wo Söllner seine Gefühle beim Besuch einer Vernissage in Wien in Versform bringt, oder "Hotel Eden", in dem der Übersiedler darstellt, wie er bei seiner Ankunft am 17. Juni 1982 in Deutschland beinahe in einem Stundenhotel in Frankfurt übernachtet hätte.

Sie wolle die kleinen Momente im Leben in einer Mischung aus eigenem Erleben und Texten einfangen und sprachlich ausdrücken, nannte die gebürtige Eisenacherin und heute in Frankfurt lebende Grafikerin, Fotografin und Autorin Jenny Feuerstein Intentionen ihrer Gedichte wie "Sommer", "Liebe", "Winter" "Eigenes Ich", "Über Kies", "Orkan" oder "Englisches Garn . Werner Söllner hingegen las zunächst Texte, die vor mehr als 30 Jahren entstanden sind und die ein Stück Literaturgeschichte, aber auch Erinnerungen an die Kindheit und die Großeltern zum Inhalt hatten.

Der seit 1982 in Deutschland lebende Lyriker blickt in seinen Versen aber auch immer wieder zurück auf die Jahre, da er in Rumänien lebte. Als er 1991/92 für ein Jahr in die Schweiz zog, habe er immer stärker den Wunsch gefühlt, sich mit Kindheit und Heimat zu beschäftigen. Gedichte wie "Siebenbürgischer Heuweg" oder "Schlaf des Trommlers" entstanden damals. Auch das bedeutsame Jahr 1989 wurde vom 57-Jährigen mit einem Schuss Ironie nicht ausgespart. Zum Abschluss stellte er bislang unveröffentlichte lyrische Texte vor. Dabei spielte auch Söllners Lieblingsstadt Amsterdam in "Kopfgeburt" oder "Knochenmusik" eine Rolle.

"Gute, gefühlsbetonte Gedichte sind auch immer eine Auseinandersetzung mit der Zeit , sagte Werner Söllner und bat seine Mitautorin, sein Lieblingsgedicht "Ich schreibe nicht mehr" noch einmal zu Gehör zu bringen.

Da man sich Gedichte beim bloßen Vortragen nicht merken könne, so Dr. Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, bot sich hinterher Gelegenheit, sich am Büchertisch zu bedienen.