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12.07.2013

Bernd Vorjans wird Chef von Jenakultur

von Lutz Prager TLZ

Dr. Margret Franz geht ­Ende des Jahres in der Ruhestand. Foto: Tino Zippel

Jena. Bernd Vorjans heißt der künftige Werkleiter des städtischen Eigenbetriebes Jenakultur. Seine Berufung als Nachfolger von Dr. Margret Franz, die Ende des Jahres in den Ruhestand geht, bestätigte am Mittwochabend der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung.

Der aus Berlin stammende ­52-jährige Diplom-Politologe und Filmemacher Bernd Vorjans wird seine neue Stelle ab 1.November antreten und am 1. Januar 2014 die Werkleitung übernehmen, teilte Stadt-Pressesprecherin Barbara Glasser mit. 78 Bewerber gab es für die Stelle. Zuletzt war Vorjans von August 2010 bis April 2013 Leiter des Kulturamtes der Stadt Dessau-Roßlau. Er leitete in dieser Zeit Projekte wie den Sachsen-Anhalt-Tag und die Landesausstellung "Anhalt international".

Allerdings findet die Internet-Suchmaschine Google kaum etwas über das künstlerische oder kulturelle Schaffen des neuen Chefs im Volksbad. Einträge zu Bernd Vorjans betreffen überwiegend die Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem bisherigen Chef, Dessaus Oberbürgermeister Klemens Koschig. Der parteilose Rathauschef wollte seinen im August 2010 eingestellten Kulturamtsleiter ein halbes Jahr später noch in der Probezeit los werden. Gegenüber den Dessauer Medien begründete das Koschig Anfang 2011 damit, dass Vorjans nicht für die Stelle geeignet sei. Gegenüber dem Dessauer Lokalfernsehen sagte der OB, dass Vorjans "nicht die Fähigkeiten mitbringe, das Kulturamt nach vorn zu bringen". Eine Mehrheit im Hauptausschuss der Stadt Dessau-Roßlau sah das anders und stimmte für eine unbefristete Übernahme in den städtischen Dienst. Koschig ging in den Widerspruch und der Fall landete vor dem Arbeitsgericht. Ein Gütetermin scheiterte. Kurz vor dem Kammertermin zog der OB die Kündigung überraschend zurück. Das angespannte Verhältnis blieb. Zuletzt fehlte Vorjans monatelang wegen Krankheit. Im April diesen Jahres trennten sich Stadtverwaltung und Kulturamtsleiter "einvernehmlich". Mit einer Weiterbezahlung bis Ende August wurde Vorjans der Weg in eine neue berufliche Zukunft geebnet. "Ich denke, das Scheitern von Bernd Vorjans in Dessau lag vor allem daran, dass er in die politische Mühle zwischen Oberbürgermeister und Stadtrat geraten ist", sagte gestern Steffen Brachert von der Lokalredaktion Dessau der Mitteldeutschen Zeitung in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Vorjans habe seine tatsächlichen Fähigkeiten wohl nicht ausspielen können, da er ständig unter Beobachtung seines Chefs stand. "So hat er lieber nichts gemacht, um keine Angriffsfläche zu bieten", sagt der Dessauer Kollege, der auch über die juristische Ausein­andersetzung berichtet hatte. Die Nachricht, dass Vorjans den Jenaer Kulturbetrieb übernimmt, sorgte gestern in Dessau-Roßlau für einige Überraschung. "Einen so großen Laden, sehr mutig", kommentierte Steffen Brachert die Neuigkeit. Der Kollege wunderte sich, dass Vorjans ausgerechnet in Jena beruflich wieder Fuß fassen soll. "Unser OB Koschig und Jenas OB Schröter kennen sich persönlich noch aus Kirchenkreisen zu DDR-Zeiten sehr gut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ­Koschig Vorjans empfohlen hat", so der Dessauer.

Die Auswahl aus den 78 Bewerbungen oblag in Jena einer Berufungskommission. FDP-Stadtrat Andreas Wiese gehörte dazu. Vorjans habe sich mit sehr innovativen Ideen und einer erstaunlich exakten Detailkenntnis der Jenaer Kulturszene ­empfohlen, so Wiese gegenüber unserer Zeitung. Beeindruckt habe die Kommission auch die Vita des 52-Jährigen: Der aus dem früheren Westteil Berlins stammende Vorjans habe bereits als Kinobetreiber, Mitarbeiter der internationalen Filmfestspiele Berlin und freier Autor gearbeitet. 1986 bis 1988 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin, danach bis 1990 Mitarbeiter des Unterausschusses für auswär­tige Kulturpolitik des Deutschen Bundestages. 1990 wurde Vorjans Berater des Kulturministers der DDR im Auftrag des Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen. Von 1991 bis 1998 arbeitete er als Direktor der Stiftung für kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung in Berlin. Von 1999 bis 2010 war Vorjans Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma Octopus Media und Produzent mehrerer Spielfilme.

"Die Probleme in Dessau hat er in dem Vorstellungsgespräch von sich aus angesprochen. Das fand ich gut und ehrlich", sagt Andreas Wiese . Vorjans sei dabei durchaus selbstkritisch gewesen. "Ich denke, Dessau war einfach nicht der richtige Platz für ihn", so das FDP-Stadtratsmitglied.