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09.01.2016

Benn und wir heute – Lyrik und Musik auf der Burg Ranis

von Marco Kruppe Ostthüringer Zeitung

Johannes Luster, Georg Leß, André Schinkel und Benjamin Trostdorf (v.l.) bei der Lesung aus Werken von Gottfried Benn auf Burg Ranis. Foto: Marco Kruppe

Gottfried Benn war am Donnerstag Abend auf der Burg Ranis der „ätherisch Pate“ einer musikalischen Lesung. Anlass war das Doppeljubiläum des 130. Geburts- und 60. Todestages Benns.

Ranis. Die Lesung bestritten die Autoren André Schinkel und Georg Leß, den musikalischen Part übernahm das Duo Drum ‚n‘Guitar. Für André Schinkel war die mit mehr als vierzig Interessierten gut besuchte Lesung eine Art Heimspiel, war er doch bereits als Stadtschreiber in Ranis tätig, wie Ralf Schönfelder vom Lese-Zeichen e.V. betonte. Der Dichter, Archäologe und Redakteur las neben dem Spätwerk Gottfried Benns auch eigene Gedichte, die sich zuweilen kritisch mit dem Weltgeschehen beschäftigen. Die scheinbare Hoffnungslosigkeit, die in den Werken Benns immer wieder eine Rolle spielt, spiegelte sich auch in seiner Lyrik wider.

Aus den frühen Werken Benns las der in Berlin lebende Autor Georg Leß. „Morgue“, ein älterer Begriff für Leichenschauhaus, ist die wohl bekannteste Gedichtsammlung. Ihretwegen wurde Benn 1938 mit Schreibverbot belegt, trotz seiner anfänglichen Zuneigung zum NS- Regime. Auch deshalb ist Gottfried Benn nicht unumstritten. Man dürfe aber nicht vergessen, dass Benn sich recht schnell davon abwandte und noch während der NS-Zeit eindeutige Gedichte verfasste, die eine Ablehnung des Regimes nicht in Frage stellen.

Auch Leß las eigene Werke, die in ihrem expressionistischen Stil und ihrem zuweilen skurrilen Ausdruck sehr gut zu den Werken des bekannten Dichters der deutschen Moderne passten.

Abgerundet wurde das Programm durch Musik des Duos Drum ‚n‘ Guitar. Gitarrist Benjamin Trostdorf und Perkussionist Johannes Luster vertonten für dieses vom Lese-Zeichen e.V. initiierte Programm drei Gedichte Gottfried Benns, die an diesem Abend ihre Premieren feierten. Zum Einsatz kam neben der Gitarre auch ein Cajon. Das eher ungewöhnliche Instrument, das aussieht, wie ein schlichter Holzkasten, ist eine aus Peru stammende Kistentrommel, die mit Händen und Besen gespielt wird.

Gabriele Könitzer äußerte sich nach der Lesung positiv. „André Schinkel hat sich wie erwartet von seiner besten Seite gezeigt und auch Georg Leß las beeindruckend. Ich hatte etwas mehr Musik erwartet, aber das was die Beiden spielten, fand ich wirklich gut!“