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15.04.2010

Bekannte Schriftsteller lasen gegen rechte Gewalt

von it Thüringer Allgemeine

Engagiert: Die Schriftsteller Landolf Schwerzer, Hans-Jürgen Döring, Frank QUillitzsch und Dr. Martin Straub ( v.l.n.r.) lasen gegen rechte Gewalt. Foto: Dr. Karl-Heinz Veit

Mit einem gedanklichen Brückenschlag zurück in Jahr 1945, wo auf den Tag genau, am 9. April, der Pfarrer Dietrich Bohnhoeffer von den Nazis im KZ hingerichtet wurde, begann Martin Straub als Moderierender den Leseabend "Gegen rechte Gewalt". Ilmenau.

Fast 50 Zuhöhrer waren gekommen, um, wie landolf Schwerzer als erster Leser sagte, nicht nur zu hören, sondern Gemeinsamkeit in der Gegnerschaft zu rechter Gewalt zu demonstrieren. "Ich danke ihnen, dass sie gekommen sind" sagte er und gab seiner Genugtuung über die Absage des in Ilmenau geplanten Nazifestes Ausdruck.

Eine ins Auge gefasstebpublikumswirksame Aktion, wo sich je ein Ilmenauer mit einem hier lebenden Ausländer fotografieren lassen will und diese Fotos dann öffentlich ausgestellt werden sollen, bezeichnete er als eine neue und sehr kreative Idee. Die Bilder werden augenscheinlich und unmissverständlich zeiegen, zu wem die Leute hier stehen, meinete Landolf Scherzer und las dann einen Reportagentext über seinen Einsatz in der "Eisenacher Tafel". etliche Tage arbeitete der Schriftsteller mit den dort tätigen Ein-Euro-Jobber, lernte vor Ort sie und Jesus, den einzigen Festangestellten, kennen. Gewollt ungewollt beobachtete er, wie das System "Tafel" funktioniert und was es mit den Leuten - "Wir sind hier alle Hartz Vierer" sagte einer - macht. Nachdenklich und betroffen reagierten die Zuhörer, die zweifellos nicht zu jenen gehören, die wegen "Hartz VI" auf "Tafelsolidarität" angwiesen sind.

Betroffenheit erzeugte auch Hans-Jürgen Döring, der einen Text aus dem Jahr 1978 las. Damals wurde Wolf Biermann ausgebürgert und in einer Zeitungskampagne des "Neuen Deutschland" wurden Stellungnahmen organisiert, welche die Ausbürgerung gut heißen sollten. "Kranke Bäume fällen wir", ließ man seinerzeit eine Waldarbeiterbrigade sagen. Als Zeitungsüberschrift genommen, entlarvte diese Schlagzeile unbeabsichtigt das politische System.

Ebenso entlarvend war der von Döring gedanklich erweiterte und dadurch prägnant verfremdete Grundsatz des kapitalistischen Systems: "Eigentum verpflichtet - zu mehr Eigentum!"

Frank Quillitzsch präsentierte sich als letzter Leser. Seine Erinnerungen an das Erwachsenwerden mit Poesiealben von 22 Freundinnen, versuchten Zungenküssen und eingefangenen Backpfeifen drängten de schmunzelnden Zuhöhrern Vergleiche mit selbst gemachten Erfahrungen auf. Er sorgte mit seinen Prosatexten, rückblickend aud das, was wir mal hatten, damals in der DDR, aber nicht unbedingt wiederhaben wollen, für einen heiter-satirischen Abschluss vor und nach den Lesezugaben.