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25.10.2005

Bei Heiduczek bin ich leider voreingenommen

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) "Sächsische Bücherbörse": Unter dieser Rubrik präsentiert der Sächsische Literaturrat zweimal jährlich - jeweils nach der Leipziger bzw. Frankfurter Buchmesse - vier literarische Neuerscheinungen im Streitgespräch. Heute Abend diskutieren der MDR-Redakteur Michael Hametner, der Literaturkritiker Ulf Heise und der Schriftsteller und Feuilletonist Matthias Biskupek in der Weimarer Stadtbücherei die Bücher "Der Grenzgänger" von Landolf Scherzer, "Die Schatten meiner Toten" von Werner Heiduczek, "und geh´ nicht ohne Gruß" von Rudolf Scholz sowie "In den Farben der Nacht" von Susanne Heinrich. Wir erkundigten uns bei Matthias Biskupek, wie er sich auf diese Veranstaltung vorbereitet hat.

Sächsische Kritiker diskutieren sächsische Literatur. Wie viel Sachse steckt denn in dem Thüringer Biskupek?

Hundert Prozent.

Wie das?

In Sachsen geboren, sächsische Mutter, die ersten Jahre in Sachsen gelebt und sächsische Mundart. Mein Vater ist Schlesier, also ein bisschen Pole steckt auch noch in mir drin. Aber Thüringer nicht, ich bin ja nur zugezogen.

Und die vierzig Jahre, die du dich schon hier aufhältst ...

Dreißig. Reichlich dreißig Jahre!

... die haben keine Spuren hinterlassen?

Doch. Aber ich bin trotzdem ein bekennender und emotional empfindender Sachse.

Demnach prädestiniert für die heutige Veranstaltung, in der es ausschließlich um sächsische Autoren gehen soll.

Ich bin zum ersten Mal dazu eingeladen, wahrscheinlich weil die Börse in Weimar stattfindet. Deshalb ist wohl auch Landolf Scherzers Buch dabei.

Der Grenz-Gänger war doch aber in Thüringen, Bayern und Hessen unterwegs.

Scherzer ist auch gebürtiger Sachse. Und wenn du dir die Bücher anschaust, die wir diskutieren, alle haben mit der deutschen Teilung zu tun.

Wann hast du erfahren, welche Bücher du lesen musst?

Vor fünf Wochen.

Und du hast dein Pensum problemlos geschafft?

Also, bitte! Ich lese mehr als vier Bücher in fünf Wochen. Den Scherzer kannte ich bereits, hab´ ich auch schon rezensiert. Susanne Heinrich ebenfalls ...

Der Schriftsteller Werner Heiduczek, den du persönlich gut kennst, liest vorher aus seiner Autobiografie und wird während der Diskussion im Saal sitzen. Bist du da nicht befangen, weil der Autor dein Lob oder deinen Verriss mit anhören muss?

Es wird kein Verriss. Aber ich bin deswegen betroffen, weil Heiduczek in seinem Buch auch über meine Familie etwas erzählt, wenngleich nur mittelbar. Er kommt wie meine Familie aus Zabrze, ehemals Hindenburg. Heiduczek war dann später Schulrat, als mein Vater Neulehrer war, die kannten sich, wie das unter Schlesiern oder Oberschlesiern so ist. Aus dem Grunde bin ich diesem Buch gegenüber vielleicht nicht ganz objektiv, sondern eher positiv voreingenommen.

Was du bei Scherzer natürlich nicht bist.

Ich habe an Scherzers Buch auch etwas auszusetzen.

Was denn?

Das sage ich jetzt nicht. Ich sage nur soviel: Es ist das menschenfreundlichste Buch, das ich von ihm gelesen habe.

! Heute, 19.30 Uhr, Stadtbücherei Weimar, Steubenstraße 1