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06.08.2009

be cool - speak deutsch

von Angelika Schimmel Ostthüringer Zeitung

Internationale Deutschlehrertagung in Jena − Thema ?Deutsch bewegt?, auch nach Ranis

Jena/Ranis. Nie war die Friedrich-Schiller-Universität in Jena internationaler als in diesen ersten Augusttagen − und nie war die Hochschule deutscher als jetzt. Das klingt paradox, ist es jedoch nicht, denn die Jenaer Universität ist in dieser Woche Gastgeber für die 14. Internationale Deutschlehrertagung.
Gestern weilten 50 Teilnehmer dieser Tagung in Ranis. Zum eintägigen Programm gehörten eine Wanderung auf literarischen Spuren sowie auf der Literatur- und Kunstburg zwei Lesungen mit der früheren Raniser Stadtschreiberin Anja Tuckermann und dem Autor Rainer Hohberg. Der Erfahrungsaustausch von Deutschlehrern aus aller Welt war noch nie so groß, wie der Direktor des Instituts für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Universität, Prof. Dr. Hermann Funk, zur Eröffnung sagte. Nach Jena sind aus 115 Ländern − von Ägypten bis Zypern − fast 3000 Lehrer gekommen.

Damit sei diese Tagung auch der größte wissenschaftliche Kongress der je an der JenaerUniversität stattgefunden habe. Auch damit zeige sich, wie passend das Motto der Tagung ?Deutsch bewegt? gewählt sei. Erfreulich sei zudem, dass zehn Prozent der Teilnehmer Deutsch-Studenten seien, ?was beweist, dass unser Fach von großer Anziehungskraft für junge Leute ist?. Die künftigen, aber auch gestandenen Deutschlehrer haben ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen. Neben Plenarveranstaltungen gibt es Vorträge und Diskussionen in mehr als 40 Sektionen, die sich mit den verschiedensten Facetten der deutschen Sprache und ihrer Vermittlung beschäftigen.
Teilnehmer berichten etwa davon, wie Kindern in China mit Hilfe von kleinen Theaterstücken Lust auf die deutsche Sprache bekommen, und vermittelt wird die Erfahrung brasilianischer Lehrer mit ?Länderkisten?, die ihren Schülern das Leben Gleichaltriger in deutschsprachigen Ländern näher bringen. Wie die Möglichkeiten von Film, Musik und Internet für einen verbesserten Spracherwerb genutzt werden, wird ebenso diskutiert wie Fragen der Weiterbildung von Deutschlehrern. Einen besonderen Schwerpunkt stellen in diesem Jahr die ?Wendeerfahrungen? der Deutschen dar, ebenso der Problemkreis Spracherwerb und Integration.
Auch wenn die Deutschen ?Exportweltmeister? seien, für die deutsche Sprache gelte das nicht, erklärte Dr. Gernot Erler, Staatsminister im Auswärtigen Amt. Die Zahl der deutschen Wörter, die wie ?Müsli?, ?Kitsch? oder ?Kindergarten? auch in Buenos Aires oder Shanghai verstanden würden, sei übersichtlich. Aber:?Deutsch ist im Aufwind?, versicherte er. In den USA, der Türkei und anderen Ländern gebe es eine neue Jugend-Bewegung ?Be cool − speak deutsch?. Das sei sehr erfreulich. Den Deutschlehrern komme dabei eine besonders wichtige Rolle zu. ?Über den richten Sprachgebrauch vermitteln sie Schülern und Studenten Bilder und Vorstellungen über Deutschland und den deutschsprachigen Raum?, sagte Erler. Die Lehrer seien damit Botschafter des Deutschen, Mittler im kulturellen Dialog und Brückenbauer.