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15.09.2012

Bären-Geschichten zum Vorlesen

von Kai Agthe TLZ

Hubert Schirnecks hat im Boje Verlag Köln ein neues Kinderbuch "Typisch Bär" vorgelegt.

 

Ja, der Brillenbär hat es schwer. Denn bei den Waldbewohnern gilt er, obwohl ein echter, weil dickfelliger Meister Petz, nur als komischer Kauz. Die Tiere finden immer einen Grund, um "Typisch Bär!" zu rufen, wenn sie ihm begegnen.

Der Brillenbär nimmts gelassen: "Wir sind von Natur aus anders als andere Bären. Irgendwie bäriger. So ist das nun mal." Bäriger mag er auch sein, auf jeden Fall ist er ein ziemlich bärig-schräger Vogel, der nicht nur für Honig eine Vorliebe hat, sondern auch für sprichwörtliche Redensarten. Die hört er im Radio. Da der Bär sie aber nicht sofort aufschreibt, geraten diese schon mal durcheinander: "Ein Apfel kommt selten allein." Hat man so etwas schon gehört!? Und schon schallt es: "Typisch Bär!" Was für eine Verwirrung gar der Spruch "Alle Wege führen nach Rom" bei ihm auslöst, lässt sich erahnen.

In Hubert Schirnecks neuem Kinderbuch hört der Brillenbär neben Sprichwörtern auch sonst allerlei Wissenswertes im Äther. Zum Beispiel, dass der Löwe der König der Tiere sein soll. Zufälligerweise ist der Löwe sein bester Freund. Also verneigt sich der Brillenbär tief und überreicht ihm eine Krone. Die Waldtiere rufen mal wieder: "Typisch Bär!"

Doch dem Löwen gefällt diese Rolle sehr gut. Und so gebärdet er sich bald wie der französische Sonnenkönig. Nur mit einer List schafft es der Brillenbär, aus dem König wieder seinen alten Freund zu machen: Er behauptet plausibel, das Königsamt sei zeitlich begrenzt, und die Feldmaus sei der Thronfolger.

Am Sternenhimmel

Sternbilder mag der Brillenbär sehr. Am liebsten hätte er eines in seinem Haus hängen. Aber die können nur am Nachthimmel betrachtet werden, erklärt ihm sein Freund, der Löwe. Wie dumm, dass er immer einschläft, bevor die Sterne aufgegangen sind. "Typisch Bär!" würden die Waldtiere flüstern, wenn sie sehen könnten, wie er unterm Sternenzelt nicht staunt, sondern schnarcht.

Sternenbilder kann man erklären, eine andere Sache aber nicht: die Liebe. Der Bär findet eines schönen Tages eine Brillenbärin in jener Grube, in die er kurz vorher selbst gefallen war und aus der er ohne Hilfe des Löwen nicht herausgefunden hätte. Es braucht freilich einige Zeit, bis beide ausgelassen über nächtliche Wiesen tanzen können.

Die neckischen "Typisch Bär!"-Geschichten des in Weimar lebenden Schriftstellers hat die in Hamburg lebende Künstlerin Sonja Bougaeva ebenso warmherzig wie witzig illus­triert. Das Buch bietet, wie der Untertitel verheißt, "Geschichten zum Vorlesen", die ihre Wirkung bei kleinen und großen Zuhörern, sie mögen Menschen oder Bären sein, nicht verfehlen werden!

Hubert Schirneck: Typisch Bär! Geschichten zum Vorlesen. Mit Illustrationen von Sonja Bougaeva. Boje Verlag, Köln, 119 S., 12,99 Euro