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04.11.2002

Autorennacht

von Bodo Baake TLZ

(Elegie auf die Lesung von acht jungen deutschen Autoren unter acht alten deutschen Stehlampen am Samstag auf der Bühne des Jenaer Theaterhauses.) Der Abend war öd, und das Wetter ein Graus, da saßen in Jenas Theaterhaus acht Dichter im achtfachen Lampenschein und lasen aus ihren Werkelein.

Das Licht ging an, und das Licht ging aus, sie lasen aus ihren Werken heraus, sie saßen und lasen und lasen.

Erst las der eine, und dann las die nexte, es waren die allerneuesten Texte - live dem Leben abgerungen.

Dazwischen hat Jim Avignon gesungen:

Let the money work for you!

Das Publikum trank Bier dazu, und das Licht ging an, das Licht ging aus, sie lasen aus ihren Werken heraus, sie saßen und lasen und lasen.

Sie lasen bis gegen Mitternacht von Liebe und was man sonst noch macht.

Sie warfen manch quälende Fragen auf.

Zum Beispiel warum auf der Bettwäsche drauf das Muster immer langweilig ist und nicht so wie auf den Handtüchern lebensfroh?

Das Licht ging an, das Licht ging aus, sie lasen aus ihren Werken heraus, sie saßen und lasen und lasen.

Dann wurde einer zugeschaltet, per Video aus Reykjavik, und las von dort direkt in die Schröder-Republik von alternden Hippies, die bumsten und soffen.

Das war sehr schön, doch das Ende blieb offen.

Stattdessen sagte der Dichtersmann noch flink den Verlag und die e-mail an, und das Licht ging an, das Licht ging aus, sie lasen aus ihren Werken heraus, sie saßen und lasen und lasen.

So hätten sie sicher noch weiter gelesen, doch dann ist plötzlich Schluss gewesen.

Und es gingen in Jenas Theaterhaus allmählich die Lichter und Dichter aus.