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06.04.2006

Aus freien Stücken für wenig Geld etwas interessantes Neues getan

von Rainer Querengässer Ostthüringer Zeitung

Bei der Freiwilligenagentur Jena sind genügend Leute zum Mitmachen bereit - doch es mangelt an gemeinnützigen Angeboten

Jena (OTZ/rq). Martin Straub tat es schweren Herzens wegen des Verlustes, dennoch tat er es: Der Geschäftsführer des Lesezeichen e.V. empfahl Franziska Vieweg aufs Wärmste für eine neue Stelle.
Das konnte der Literaturwissenschaftler mit gutem Gewissen tun, denn die diplomierte Psychologin hatte ein Vierteljahr in der Geschäftsstelle des Vereins im Haus auf der Mauer gearbeitet. Und dabei gezeigt, was sie auch auf einem ihr anfangs fremden Gebiet alles so leisten kann. Naja, ganz so fremd war es nicht: Sie ist Arbeitsspsychologin und als Sängerin im Doppelquartett "artonal" den Musen nahe.

"Es hat mir hier sehr viel Freude gemacht. Die Arbeit für die Literatur- und Leseförderung ist außerordentlich vielfältig, und ich habe eine Menge neuer Erfahrungen gewonnen", schätzt die 26-Jährige das Vierteljahr freiwilliger Arbeit ein. Kennen gelernt hatte die gebürtige Geraerin den "generationsübergreifenden Frewilligendienst" als Angebot der Freiwilligenagentur Jena-Saale-Holzland. Warum nicht? dachte sie, denn nach dem Studium war es erst einmal bei privaten Verrichtungen geblieben: Kein Arbeitsplatz in Aussicht.

Zwar konnte ihr Silke Zeiß von der Freiwilligenagentur der Bürgerstiftung Zwischenraum nur eine Aufwandsentschädigung und Fahrtkostenerstattung bieten - aber dafür eine interessante Tätigkeit. Denn Lesezeichen bestreitet im Jahr ca. 220 Literaturveranstaltungen, da bedarf es einer Menge organisatorischer Arbeit, von Programmkonzeption bis zur Gestaltung von Plakaten (und das Anbringen derselben). Das alles konnte die etatmäßige Mitarbeiterin Uta Utzelmann am Jahresanfang nicht leisten: Die Stellenfinanzierung war noch nicht geklärt. Da kam Dr. Martin Straub die neue Mitarbeiterin Vieweg ebenso recht wie Monika Kleinschmidt, die sich auf derselben Freiwilligenbasis auch in offiziell 13 Wochenstunden um die Buchhaltung kümmerte.

"Generationsübergreifende Freiwilligendienste" (was für ein Begriff, noch dazu bei Literaturarbeit!) werden vom Bund gefördert innerhalb des Projektes "Impulse für die Zivilgesellschaft" (als Titel auch nicht gerade ein Ohrwurm). Fünf Freiwillige sind zur Zeit tätig, sagt Silke Zeiß, 50 möchten gerne. Doch es gibt momentan nur zwei Angebote für die gemeinnützige - das ist die Bedingung - freiwillige Arbeit. Straub sieht als einen Grund des dürftigen Angebotes die 150 Euro, die ein Verein monatlich für die doch selbstlose Hilfe beisteuern muss. Das käme bei maximal 24 Monaten, die so ein Dienst dauern dürfe (minimal drei Monate), eine für viele Vereine nicht aufzubringende Summe zusammen, meint er aus eigener Erfahrung nach einem Vierteljahr mit zwei Freiwilligen.

Silke Zeiß sieht noch einen anderen Grund. "Dieses Angebot der Freiwilligenagentur ist noch zuwenig bekannt", denkt sie. Denn der Vorteil für Vereinsarbeit und für Freiwillige liege doch auf der Hand; auch wenn es für letztere wohl selten so gut endet wie bei Franziska Vieweg - mit einem Arbeitsplatz. Angebote also an 03641/6349558 / freiwilligenagentur-jena@gmx.de oder über die Internetseite www.freiwilligenagentur-jsh.de