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28.10.2015

Auf den Spuren der Weimarer Klassik

von Lioba Knipping Ostthüringer Zeitung

Joachim Hamster Damm in der Villa Rosenthal: Foto: Lioba Knipping

„Geheimnißvoll offenbar“: Sigrid Damms „Wortwelten“ und Joachim Hamster Damms „Bildwelten“ werden in Jena in einer Ausstellung vereint.

Johann Wolfgang von Goethe auch Bergbau-Minister war, wissen nur wenige. Das sollte niemanden wundern, schließlich breitete der Dichterfürst selbst einen Mantel des Schweigens über dieses Kapitel seines Scheiterns. Kenner der Materie aber wissen: Im „Faust II“ hat Goethe Teile dieses Scheiterns verarbeitet. Nachzulesen ist dieser Fakt unter anderem in „Goethes letzte Reise“, dem 2007 erschienenen Dokumentarroman von Sigrid Damm.

„Goethes letzte Reise hat mich fasziniert. Stellen Sie sich vor: Goethe ist durch ein Loch von 60 Zentimetern Durchmesser in 250 Meter Tiefe abgestiegen und hat im Berg Forschungen betrieben. Er hatte eine Vision, die Bergbauregion um Ilmenau wieder zu neuem Leben erwecken zu können. Mit dem Bergbau wollte er die Staatskassen seines Herzogs füllen“, erklärt Joachim Hamster Damm, der älteste Sohn der Schriftstellerin. Doch weil es damals noch keinen Banken-Rettungsschirm gegeben habe, haben alle Beteiligten, die Aktien an dem Projekt erworben hatten, viel Geld verloren: das Papiergeld und die Trockenlegung der Sümpfe in „Faust II“.

Joachim Hamster Damm ließ sich davon inspirieren, die Bilder in seinem Kopf wurden zu Zeichnungen, die wiederum zu einem Buch mit dem Titel „Geheimnißvoll offenbar – Goethe im Berg“, das 2009 erschien. Die Bilder von Hamster Damm machen – in einer Art antiklassizistischen Stil – Goethes Ideen, die biografischen Zusammenhänge und die heute besonders aktuellen Bezüge anschaulich.

„Geheimnißvoll offenbar“ – so ist nun auch eine Ausstellung überschrieben, die heute Abend, 19.30 Uhr in der Villa Rosenthal (Mälzerstraße 11) eröffnet wird. Dort sind bis Februar kommenden Jahres in der Reihe „Wortwelten – Bildwelten“ des LeseZeichen-Vereins sowohl Zeichnungen aus diesem Buch, als auch Fotografien aus den „Tage- und Nächtebüchern aus Lappland“ zu sehen, dem ersten Buchprojekt, das Mutter und Sohn gemeinsam gestalteten. Hinzu kommen Figuren aus „Faust II“ sowie aus „Peer Gynt“ von Hendrik Ibsen, dem „nordischen Faust“, die Joachim Hamster Damm in Berlin mit Schulklassen erarbeitet hat.

Die Ausstellung ist übrigens speziell für Jena entwickelt worden und soll Sigrid Damm zu ihrem 75. Geburtstag ehren, den sie im Dezember begehen kann.

Den „Bildwelten“ des Sohnes stellt Sigrid Damm übrigens bereits heute Abend zur Vernissage ihre „Wortwelten“ gegenüber: Sie liest aus den „Tage- und Nächtebüchern aus Lappland“. Joachim Hamster Damm wird zudem persönlich durch die Ausstellung führen und über Konzeption und Hintergründe Auskunft geben.

Im Rahmen des 21. Jenaer Lesemarathons wird Sigrid Damm zudem an diesem Freitag, 30. Oktober, an „ihre“ Universität, an der sie einst studierte und promovierte, zurückkehren: In der Aula der Friedrich-Schiller-Universität (Hauptgebäude, Fürstengraben 1) liest sie ab 19.30 Uhr aus „Goethes letzte Reise“.

Ebenfalls am Freitag, 15 bis 18 Uhr, bietet Joachim Hamster Damm einen Workshop an für Lehrerinnen und Lehrer sowie alle, die mit Figuren-Theater-Projekten in pädagogischen Zusammenhängen arbeiten. Diese Projekte ziehen sich über ein ganzes Schuljahr hin und haben sowohl die dramaturgische Erarbeitung des Stücks als auch den Bau von Puppen sowie die Aufführung als Puppentheater zum Inhalt. Damit fand er bei den Schülerinnen und Schülern großen Anklang, insbesondere bei jenen mit Migrationshintergrund. Im Workshop wird Joachim Hamster Damm von seinen Erfahrungen berichten, von Schwierigkeiten ebenso wie von Erfolgen – auf der Grundlage von fünf Jahren intensiver Arbeit. Und er bringt umfangreiches Anschauungsmaterial mit. Im Mittelpunkt steht jedoch der offene Austausch.

(Um Anmeldung wird gebeten: www.villa-rosenthal-jena.de oder (03641) 498270.)