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05.01.2015

Auch 2015 große Vielfalt auf Literatur-Burg Ranis

von Mario Keim OTZ

OTZ-Interview mit Ralf Schönfelder, Projektmanager der ­Literatur- und Kunstburg Ranis, über sein erstes Jahr in Ranis und die Höhepunkte 2015.


Seit genau einem Jahr sind Sie für den Verein Lese-Zeichen als Projektmanager der Literatur- und Kunstburg in Ranis tätig. Welche Eindrücke begleiteten Sie in diesen zwölf Monaten?

Der stärkste Eindruck ist der, wie kultur- und literaturinteressiert die Menschen hier sind, dass es außerhalb der großen Städte, wo der Kulturbetrieb vor allem stattfindet, ein großes Interesse und eine große Aufgeschlossenheit für Literatur gibt. Das finde ich besonders schön. Ein solches Beispiel war für mich die Lesung im November mit Texten des Dichters Georg Trakl, dazu Livemusik und -malerei. Ich war absolut zufrieden mit den Besucherzahlen. Das zeigt, die Leute sind aufgeschlossen für Neues, um mit uns zu experimentieren.

Welches waren die Veranstaltungshöhepunkte im vergangenen Jahr in Ranis und Umgebung?

Wir haben versucht, ganz verschiedene Veranstaltungen anzubieten. Autoren, die sehr etabliert sind, wie Clemens Meyer, einer der momentan wichtigsten Autoren, oder Peter Wawerzinek, der im Oktober aus seinem Buch "Schluckspecht" las. Das sind Leute, die das Feuilleton mitbestimmen; die lesen vor allem in Berlin, Leipzig und Jena. So aber auch in Ranis. Dann gibt es viele Entdeckungen wie den Trakl-Abend. Auch der Abend mit José F. A. Oliver, der im Februar gesungen und gelesen hat, war eine ganz tolle Veranstaltung. Ich weiß noch genau, wie die Gäste danach gesagt haben: Das war ein richtiges Erlebnis. Für mich übrigens auch, denn ich kannte ihn zuvor noch nicht. Zu den großen Namen gehörte Hellmuth Karasek, den kennt jeder und der hat ein lustiges Programm geboten. Im Grunde gilt das auch für die Literaturtage, immer wieder Entdeckungen und populäre Leute gemeinsam zu präsentieren. Dazu zählt als ein Beispiel Heinz Rudolf Kunze. Für mich persönlich war der Höhepunkt der Literaturtage auf der Burg aber die Veranstaltung mit Nora Gomringer und dem Gitarristen Joe Sachse zum Auftakt. Eine ganz beeindruckende Frau mit erstaunlicher Präsenz. Abseits der Metropolen ein Programm machen, das auf einem hohen künstlerischen Niveau ist, das ist unser Anspruch. Das ist keine elitäre Veranstaltung einzelner, sondern die Leute finden es gut.

Auch die Pinsenberghalle in Krölpa wird vom Verein Lese-Zeichen inhaltlich betreut. Wie sieht diese Kooperation mit der Gemeinde Krölpa aus?

Die Kooperation ist im vergangenen Jahr wieder gut gelaufen, wir hatten eigentlich bei den großen Veranstaltungen immer volles oder fast volles Haus. Und auch die kleineren Veranstaltungen fanden guten Zuspruch. Von Michael Molls Reisevortrag im November waren die Besucher beispielsweise sehr angetan. Die Kooperation mit der Gemeinde setzen wir auch in diesem Jahr fort. Es ist großes Interesse seitens der Gemeinde vorhanden. Wir setzen weiterhin auf eine Mischung aus Konzert und Kabarett. Dabei behalten wir eine große Bandbreite im Auge. Es gibt einen Operettenabend, am 7. März tritt Dirk Michaelis auf. Ein Konzert mit Joe Sache im November gibt es aus Anlass des 45. Todestages von Jimi Hendrix. Die Veranstaltung findet zugleich im Rahmen der Jazzmeile in Thüringen statt.

In Krölpa fanden im Oktober bereits zum siebten Mal Kinderliteraturtage statt. Wie sind Sie mit der Resonanz der jüngsten Auflage zufrieden?

Wir hatten so viele Einsendungen für den Geschichten-Schreibwettbewerb der Kinder wie noch nie zuvor. Sehr schön war, dass nicht nur die Lesungen sehr gut besucht waren, sondern dieses Mal zur Preisverleihung über 200 Besucher kamen. Damit waren wir sehr zufrieden. Die Kinderliteraturtage werden auf alle Fälle weitergeführt.

Die Veranstaltungen in Ranis leben von einem Stammpublikum, locken aber auch immer wieder neue Gäste zu den ­Lesungen. Wie würden Sie den Reiz des Angebotes auf der ­Raniser Burg beschreiben?

Ein abwechslungsreiches Programm, das viele Entdeckungen bereithält. Das ist es, was ich mir wünsche, was sich aber noch stärker herumsprechen sollte, auch wenn ich den Autor einmal nicht kenne, ist es den Weg wert, auf die Burg zu kommen. Unsere Zukunft besteht darin, weiterhin Programmarbeit zu machen.

Bitte geben Sie uns noch einen kurzen Ausblick auf 2015 für Ranis.

Am 8. Januar zum Jahresauftakt auf der Burg haben wir ein Programm mit dem Titel "Schauriges und Schönes" mit Antje Horn. Sie wird uns fantastische Schauergeschichten der Weltliteratur vorstellen. Begleitet wird sie am Saxofon von Klaus Wegener. Am 5. Februar kommt Thomas Hettche zu uns auf die Burg und liest aus "Die Fauninsel". Kein Feuilleton, das sich mit dem Buch nicht befasst hat. Am 9. April liest Ulrich Zieger, der einer meiner Lieblingsautoren ist. Er wird seinen Roman "Durchzug eines Regenbandes" vorstellen. Das wird garantiert ein Erlebnis! Im Mai kommt, wie die OTZ bereits berichtete, Lutz Seiler und stellt im Rahmen der Literaturtage seinen Roman "Kruso" vor, mit dem der gebürtige Geraer im September in Frankfurt den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Über das Programm zu den Literaturtagen im Juni werden wir wieder rechtzeitig informieren.

Mario Keim / 05.01.15 / OTZ