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26.08.2014

"Art & Wiese": Institution für junge Künstler in Ranis

von Angelika Bohn Ostthüringer Zeitung

Gloria Weimer (links) und Selina Haas schreiben unter der Anleitung von Lektor und Verlagsleiter Helge Pfannenschmidt. Foto: Mario Keim

Ranis. Schon zum 16. Mal fand von Mittwoch bis Sonntag in Ranis die Sommerwerkstatt "Art & Wiese" statt. 25 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen in diesem Jahr daran teil, viele Teilnehmer kamen zum ersten Mal in die Burgstadt.

"Die Sommerwerkstatt gehört für mich schon zur Sommerdramaturgie. Es ist immer ein festes Wochenende im August. Sie ist eine Institution und bietet eine tolle Atmosphäre für junge Künstler, die sich ausprobieren möchten", sagte Kursleiter Helge Pfannenschmidt, Lektor und Verlagsleiter aus Dresden. Nach seiner Einschätzung hätten in den vergangenen Jahren acht bis zehn ehemalige Teilnehmer an der Schreibwerkstatt als Autor einen größeren Verlag gefunden. "Sie betreiben die Literatur mit aller Ernsthaftigkeit und sind hier angekommen." Gemeinsam als Betreuerin arbeitete mit Helge Pfannenschmidt die Dichterin Daniela Danz in der Schreibwerkstatt.

Die Veranstaltung, initiiert vom Lese-Zeichen e. V. und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, bot in diesem Jahr wieder Kurse im Bereich Fotografie mit dem Grafiker und Fotografen Andreas Berner sowie Malerei mit der Dresdner Künstlerin Manuela Hemmann. Erstmalig gab es einen Workshop für Comics und Graphic Novel, der von der Illustratorin Sandra Bach alias Sandruschka aus Weimar geleitet wurde.

"Wir haben wahnsinnig intensiv gearbeitet, kaum Mittagspausen gemacht. Da wir junge Teilnehmer hatten, die sehr spontan sind, konnten die Älteren von ihnen lernen, während die älteren Teilnehmer besser in der Technik waren und dies an die Jüngeren weitergeben konnten", sagte die Kursleiterin. Graphic Novel ist eine spezielle Form des Comic. Sie basiert auf geschichtlichen, realen Begebenheiten und ist farbreduziert, verglichen mit dem herkömmlichen Comic.

"Mir war es wichtig, dass die Mädchen etwas finden, was sie interessiert und die Interesse daran haben, weiterzuarbeiten. So war es meine Aufgabe, sie bei der Arbeit zu ermutigen, wenn es mal schwierig wird, damit sie dran bleiben", sagte die Kursleiterin Malen, Manuela Hemmann. Ihr gefiel die "Arbeitskulisse, die sich die Natur als Kulisse zunutze macht. Auch der Weg zur Herberge, hier unterwegs zu sein", habe ihr imponiert.

Höhepunkt der Sommerwerkstatt war auch in diesem Jahr am Sonnabend ein unterhaltsames Lesekonzert, musikalisch an Flügel und Gitarre umrahmt vom Lyriker Robert Loth und moderiert von Marcel-T. Metzke aus Kassel.

Als Christian Wöllecke, Raniser Stadtschreiber 2012/13, und Robert Loth Tagebucheinträge aus der Raniser Zeit vorlasen, gab in dieser Runde auch Heidi Hochholz eine souveräne Rolle ab. "Ich bin das erste Mal hier und mit vielen Erwartungen hierhergekommen, konnte viel mitnehmen. Ich denke, dass ich nächstes Jahr wiederkommen werde", sagte die 15-Jährige aus Zwackau, die schon länger für sich schreibt und in Ranis ferner eine Liebesgeschichte vortrug.

Das Lagerfeuerholz für das abendliche Miteinander in Ludwigshof sponserte abermals das Forstunternehmen Heiko Wegelt aus Wilhelmsdorf, dem die Organisatoren dafür danken. "Das Lagerfeuer trägt mit zu dieser Atmosphäre bei, weshalb viele Teilnehmer auch gern wiederholt nach Ranis kommen", sagte Andreas Berner, Vereinsvorsitzender des Lese-Zeichen e.V. "Aber es entstehen auch viele künstlerische Freundschaften. Das ist wichtig."

Robert Loth, der im April gemeinsam mit Daniela Danz eine Lesung auf der Burg bestritt, hätte ohne Schreibwerkstatt nie ein Gedicht geschrieben, ließ er die Zuhörer des gut besuchten Lesekonzertes am Sonnabend auf der Burg wissen.

Christian Wöllecke, ebenfalls aus Berlin: "Es hört nicht auf, das Schreiben. Aber auch nicht der Wunsch, von anderen zu hören, wie sie es finden, vielleicht auch, um Kritik abzuholen."