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27.03.2003

Anja Tuckermann hat Sound der Gegend eingefangen

von Stephan Breidt Ostthüringer Zeitung

Ranis (OTZ/S. B.). Nach der Vorstellung des Buches "Fräulein Moxa" in Ranis sprach OTZ mit dem Geschäftsführer des Lese-Zeichen e. V., Dr. Martin Straub. Er arbeitete mit Anja Tuckermann und den anderen Raniser Stadtschreibern zusammen.

OTZ: Während der Lesung von Anja Tuckermanns "Fräulein Moxa" haben Sie sich sehr amüsiert. Welches sind Ihre Eindrücke von dem neuen Buch.

Dr. Martin Straub: Die Stadtschreibergeschichte bedeutet nicht nur, dass ein Buch erscheint. Es ist eine Geschichte, wie der Stadtschreiber oder die Stadtschreiberin in die Stadt kommt, wie er oder sie Kontakt zu den Leuten sucht. Unter diesem Aspekt war Anja Tuckermann ganz wichtig. Sie ist in die Schule und zu den Leuten gegangen, sie war neugiergig, sie hat den Sound der Gegend eingefangen. Mit Anja Tuckermann kam ein Umschwung in die Stadtschreiberei: Der Kontakt zwischen der Schule, den Literaturtagen und dem Verein Lese-Zeichen ist viel enger geworden. Man sieht, dass der Stadtschreiber auch etwas bewirken kann.

Ist das nicht Sinn und Zweck der Stadtschreiberstelle?

Natürlich! Wir hoffen immer, dass das in die Region wirkt.

Sind Sie enttäuscht vom Wirken der drei Vorgänger von Anja Tuckermann in Ranis?

Auch die Vorgänger sind auf die Leute zugegangen. Ich habe aber den Eindruck, dass sich die Raniser mehr und mehr den Stadtschreibern geöffnet haben. Es ist schön, dass bisher drei Stadtschreiber ihr Buch zu Ende gebracht haben. Ich muss auch den Leuten von GGP Media danken, die uns da sehr helfen.

Die zweite Stadtschreiberin Michaela Behrens hat ihr Buch noch nicht vorgelegt.

Sie können nicht vorher sagen, zu welchem Zeitpunkt das Buch fertig sein muss. Da hat es der Autor natürlich schwer. Michaela Behrens hat einen sehr hohen Anspruch an sich selbst und ist nicht über diese Schwelle hinweggekommen. Ich habe sie gebeten, wenigstens das eine Kapitel rund zu machen, das auf der Burg großen Anklang fand. Dazu hatte sie nicht mehr die Kraft. Sie dürfen nicht vergessen, dass es Autoren materiell zum Teil sehr schlecht geht. Michaela Behrens musste des Broterwerbs wegen andere Dinge schreiben und konnte sich mit der Geschichte nicht mehr beschäftigen. Sie war sehr unglücklich darüber. Aber auch das gehört zu den Stadtschreibergeschichten.

Dennoch gibt es eine immer größer werdende Resonanz auf die Stadtschreiber?

Ich bin sehr froh, dass Anja Tuckermann, Heide Haßkerl und jetzt Jochen Weeber in der Stadt ankommen. Heide Haßkerl wird mit Schülern noch eine Kräuterwanderung im Frühjahr machen.

Ist "Fräulein Moxa" Ansporn für künftige Stadtschreiber?

Da muss man sehen, wie die Stadtschreiber die Bücher ihrer Vorgänger zur Kenntnis nehmen.

Tun sie das?

Ich weiß es nicht. Sie tun das vielleicht nicht, weil sie sich nicht verunsichern und ihren eigenen Weg finden wollen. Das ist ja die Herausforderung, den eigenen Zugang zu dieser Gegend finden. Ich kann mir vorstellen, dass es für sie gar nicht günstig ist, wenn sie die Bücher vorher lesen. Ich werde sicher nie Stadtschreiber in Ranis, aber ich würde mir das Buch meines Vorgängers nicht ansehen.

Wie sieht es mit der neuen Stadtschreiberstelle aus?

Wir haben die ersten Einsendungen bekommen. Es geht zwar etwas schleppend, aber wir hoffen, es kommt noch mehr. Bis jetzt haben bereits einige ganz interessante Leute angefragt, so dass bestimmt eine interessante Frau oder ein interessanter Mann hierher kommen.