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20.02.2006

Anja Tuckermann erzählt die Geschichte eines Sinto

Ostthüringer Zeitung

Frühere Stadtschreiberin liest in Ranis

Ranis (OTZ). Anja Tuckermann, dritte Stadtschreiberin von Ranis in den Jahren 2000/2001, ist vielen Literaturfreunden der Region noch in lebhafter Erinnerung, auch wegen ihrer lustigen Erzählung "Fräulein Moxa". Im Hanser Verlag München hat die in Berlin lebenden Schriftstellerin und Journalistin mit dem Buch "Denk nicht, wir bleiben hier" die Lebensgschichte des 1933 geborenen Sinto Hugo Höllenreiner veröffentlicht und diese stellt sie nun in der monatlichen Lesung auf Burg Ranis am 2. März um 19.30 Uhr vor.

Hugo Höllenreiner, Sohn eines Pferdehändlers und Fuhrunternehmers, ist das Oberhaupt einer großen Sintofamilie in München. Als Kind hat er ab 1943 die Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen überlebt. In Auschwitz hat ihn der berühmt-berüchtigte Dr. Mengele persönlich mit brutalen medizinischen Experimenten gequält. Doch er brauchte fast 60 Jahre, um über diese Zeit sprechen zu können. Die 45-jährige Autorin geht sehr sensibel mit den Erinnerungen des 72-Jährigen um. Vieles erzählte er für dieses Buch zum ersten Mal. So entstanden ein erschütterndes Zeugnis des Überlebens und zugleich ein beeindruckendes Dokument der Erinnerung an die Millionen Menschen, die dem Massenmord der Nazis nicht entrinnen konnten. Das Buch vermittelt eine Ahnung des Grauens in den Konzentrationslagern und ist eine literarische Aufforderung, auch heute wachsam zu sein.