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22.05.2010

Angela Schubert von der Ernst-Abbe-Bücherei hat Preis erhalten

von Thomas Stridde TLZ

Punk liest Weltliteratur: So lässt sich der kunstvolle Ehrenpreis interpretieren, den Angela Schubert (Bild) erhielt. Foto: tlz/Stridde

Es war einmal ein Zeit, in der bei Kindern durch viel ablenkende Schnickschnack-Medientechnik die Leselust bedroht, aber an dieser Herausforderung dann doch gewachsen war. Jena. Sollte unser Zeitalter ferneren Tags so eingeordnet werden, müssten Einrichtungen wie die Ernst-Abbe-Bibliothek (EAB) und Leute wie Angela Schubert, bitte schön, ein Lorbeerkränzchen geflochten bekommen.

In diesen Tagen hat die 54-jährige Germanistin schon mal den Ehrenpreis des Friedrich-Bödecker-Kreises für Thüringen e. V. erhalten: für ihr Engagement zur Förderung des Lesens und der Literaturarbeit. Ja doch: "Der Preis ist nicht für mich", sondern gehe ans Haus, wie die EAB-Öffentlichkeitsarbeiterin Angela Schubert bescheiden klarstellt. Schließlich sei doch mittlerweile die Hälfte der Bibliothekskollegen in die "Kinderprojekte" eingebunden. Aber viele "Leselust-Anstöße" sind nun einmal Angela Schubert zu danken, die seit über 25 Jahren in der EAB tätig ist. Und so richten sich heute von den jährlich 400 EAB-Veranstaltungen 350 an Kinder und Jugendliche.

Über fünf Jahre besteht die Reihe "Vorhang zu!", in der freitags ab 17 Uhr Kindern im Alter zwischen 4 und 8 im Erdgeschoss der EAB vorgelesen wird. Ursprünglich allein von Sprach-Studenten; "mittlerweile haben wir ein Pool von 15 Leuten, auch Mütter und Väter", sagte Angela Schubert.

Ein großer Renner ist das vor drei Jahren angeschobene Projekt "Schubinet", wonach mit einzelnen Schulen zur Zusammenstellung thematischer "Medienkisten", zur Nutzung der EAB und zur Hilfe in der Schulbibliothek Kooperationsverträge abgeschlossen werden. Deren sechs waren es am Anfang, heute sind es 23; im September kommt Nr. 24 hinzu.

Und: Vor einem Jahr brachte Angela Schubert das Projekt "Bibo-Knirpse" an den Start. Damit sei sie vorab "ein Jahr schwangergegangen", habe bei Weiterbildungen und in Schulen Rat gesucht. Nun werden jeden ersten und dritten Dienstag im Monat ein- bis dreijährige Kinder mit Reimen, Fingerspielen und Bilderbüchern ans Lesen herangeführt. Dabei kein seltenes Bild: 15 Kinder und zehn Erwachsene sind eine halbe Stunde vor Öffnung der EAB zu Gast, und mitunter gibts eine zweite Veranstaltung am Vormittag mitten in der Ausleihe. Was für ein Gedränge, wenn wie jüngst beim Thema "Vietnam" das Gummitier-Essen mit Stäbchen dazugehörte! "Bibo"-Partner sind Erzieher-Schüler der "Mefa"/Lobeda-Ost. "Die arbeiten ja eines Tages in Kindergärten und lernen so, wie wichtig es ist, mit Büchern zu arbeiten."

Bei alldem leuchtet es ein: "Kinder werden so systematisch auf uns eingeschworen. Aber wir sind an unseren Grenzen angelangt." Und dies vor allem räumlich! Schulen etwa müssten sich für EAB-Rundgänge mitunter sechs bis acht Wochen vorher anmelden. "Der Druck wächst; wir müssen uns immer mehr einfallen lassen."

Aber natürlich Angela Schubert ist selbst Vorleserin! Und nicht nur in der EAB oder für ihre drei Enkel! Regelmäßig liest sie im Seniorenheim Kleinertal, im Begegnungszentrum Closewitzer Straße, in der Seniorenwohnanlage Artis oder in der Psychiatrie. Offenkundig macht sie es gut. Herr Schubert mochte sich neulich beim Schafskrimi "Glennkill" nicht mit der Audiobuch-Vorlesestimme von Schauspielerin Andrea Sawatzki anfreunden und bat seine Frau, ihres Amtes zu walten.