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29.05.2009

Analphabet und ein dickes Huhn

von Christiane Kneisel Ostthüringer Zeitung

Kinderbuchautorin Verena Zeltner ist einer der Stipendiaten im Schloss Wiepersdorf

Die Idee für ihr jüngstes Werk, einen Kinderkrimi, fand Verena Zeltner in der OTZ. "Da las ich mal eine Notiz, dass drei kleine Jungs zur Polizei gegangen sind, weil sie ein Huhn vermissten. Ihr Gedanke: Es kann nur gekidnappt worden sein. Über diese Meldung habe ich mich köstlich amüsiert", erzählt die Kinderbuchautorin aus Neunhofen.
Mittlerweile ist "Das verschwundene Huhn" rund 80 Seiten dick. Auch für ihre andere, zeitgleiche Kinderbuchidee gab die Tageszeitung den Anstoß, genau genommen die Nachricht, dass es über vier Millionen Analphabeten in Deutschland gibt. Mit beiden Projekten bewarb sich Verena Zeltner für ein Stipendium in Thüringen. Von der Kulturstiftung
Thüringen erhielt sie schließlich ein Förderstipendium für einen vierteljährigen Arbeitsaufenthalt im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf.

Das in Brandenburg, rund 80 Kilometer südlich von Berlin gelegene Schloss nimmt in der Geschichte der Literatur eine besondere Stellung ein - wohnten hier doch einst Ludwig Achim und Bettina von Arnim. Insofern hat das Schloss eine lange Tradition als Ort des geistigen
Austausches.

Im zeitigen Frühjahr arbeitete Verena Zeltner intensiv im
Brandenburgischen. Noch immer schwärmt sie vom Moment der Stipendium Zusage: "Als ich den Brief öffnete, konnte ich es gar nicht fassen. Das ist so eine ungeheure Unterstützung..." Das Kinderbuch über Analphabetismus hat sie in Wiepersdorf abgeschlossen. "Indianer weinen nicht" erzählt über eine Freundschaft und die Befindlichkeiten eines Jungen, dessen Mutter Analphabetin ist. Gedacht für acht- bis 12-jährige Leser, möchte Verena Zeltner sie für Analphabeten und deren Problem sensibilisieren. "Es ist bei weitem nicht so, dass es nur Ausländer und Immigranten betrifft. Häufig beginnen die Schwierigkeiten bei alltäglichem wie Geldabheben am EC-Automaten oder
Einkaufen: in welcher Tüte ist Mehl, in welcher Zucker?" Intensiv recherchierte Zeltner, sprach mit Betroffenen. Nun hofft sie, für das Buch schnell einen Verlag zu finden. Der Huhn-Krimifall musste indes warten. Aber spätestens im Herbst wird auch er gelöst - dann verbringt
die Autorin die restlichen Stipendiumswochen in Wiepersdorf.