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26.01.2007

Am Ende müssen die Bibliotheken bluten

von Frank Quilitzsch TLZ

Literaturrat warnt vor Verkürzung der Debatte

Weimar. (tlz/fqu) In der derzeit geführten Theaterdebatte sieht der Thüringer Literaturrat einen Versuch, statt landesweite Kulturpolitik zu betreiben, lediglich den Geldhahn zuzudrehen. Diese Form von Kulturpolitik
habe ihren Namen nicht verdient, teilten die Sprecher des landesweiten Gremiums, der Schriftsteller Matthias Biskupek und Frank Simon-Ritz, der zugleich Vorsitzender des Thüringer Bibliotheksverbandes ist, mit. Die drastische Kürzung der Landeszuschüsse für Theater und Orchester sei keine Gestaltung, zumal das Kultusministerium eine klare Aussage dazu verweigere,
wie man sich die Kulturlandschaft in zehn Jahren vorstellt, heißt es in einer öffentlichen Stellungnahme.
Auch die Debatte allein über Theater- und Orchesterfinanzierung hält der Literaturrat für eine Fehlentwicklung. Es muss vielmehr genauso über die sogenannte Breitenkultur, also über die vielfältige Landschaft der Volkshochschulen, Musikschulen, Kunstschulen, Bibliotheken, Museen und AArchive gesprochen werden. Und es muss über den Anteil der Musiker, der bildenden Künstler, der Schriftsteller und Dichter an unserer Kultur gesprochen werden.
Der Literaturrat erwartet insbesondere von dem für Kultur zuständigen Ministerium, dass es sich beherzt für die finanzielle Unterstützung der vielfältigen Erscheinungsformen der Kultur einsetzt. Aber es gehe auch, so Biskupek wörtlich, um die Anerkennung von Kunst und Literatur als Grundwert der Gesellschaft. Eine von Berufsmusikern, Berufsschauspielern, Berufsregisseuren und Berufsmalern, eine von Verlegern und Dichtern entvölkerte Landschaft wird uns nicht nur ärmer machen. Sie wird uns verkommen lassen.
Für geradezu gefährlich hält es der Literaturrat, dass von Seiten der Landesregierung versucht werde, die Kommunen und Landkreise stärker für die Finanzierung der Theater und Orchester in die Pflicht zu nehmen. Simon-Ritz befürchtet, dass es in den Kommunen wieder die Bibliotheken sein werden, die erneut zur Ader gelassen werden.