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05.05.2004

All that Jazz

von Henryk Goldberg Thüringer Allgemeine

Der Jazz, bedauerte Ekhart Lange als Präsident des Landesmusikrates, komme in den Antworten leider nicht vor. Aber danach war ja auch nicht gefragt. Gefragt war, auf Seite 18 von 30, "Wie wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Musik- und Kunstbegegnung im Vorschulalter, in den Familien, in den Musik- und Kunstschulen und in den Kindergärten grundlegend zu verbessern?". Und: "Welchen Stellenwert hat Kulturpolitik in Ihrem politischen Handeln?" Und: "Welche Bedeutung messen Sie der kulturellen Aus- und Weiterbildung in der modernen Wissensgesellschaft zu?". So waren im Großen und Ganzen die Fragen und so sind, im Großen und Ganzen, die Antworten der Parteien. Das Ergebnis heißt Wahlprüfsteine und wurde gestern vom "Kulturbündnis Thüringen" vorgestellt.

Dieses Bündnis als Dach der verschiedensten Kunstverbände ist ehrenwert - und zugleich ein Beispiel, wie ein Kompromiss beschädigen kann, was er erhalten soll. Denn die Fragen der in ihren Interessen zum Teil konkurrierenden Verbände - weshalb niemand thematisiert, was andere schmerzen könnte - sind von einer sich beinahe selbst aufhebenden Allgemeinheit. Aber die meisten Themen sollten schon irgendwie abgearbeitet werden wie auch die Verbände vorkommen wollten - so lang, bis das Unternehmen in schöner Ausgewogenheit stirbt. Dieses Bündnis, wenn es mehr werden will als eine ehrenwerte Vereinsmeierei, müsste den Partikularinteressen entsagen und einige wenige, zentrale Fragen thematisieren, die dann auch massiv in der öffentlichen Debatte wahr genommen werden. In seiner kultivierten Meinungslosigkeit wird es dieses Bündnis schwer haben, Teil der Meinungsbildung zu werden.

Eine Partei hat auf die Fragen nicht geantwortet, die FDP. Wenn dabei wir Absicht unterstellen, dann darf die Antwortverweigerung als ein Intelligenzbeweis gelten: Als hätten sie gewusst, dass es diesen Wahlprüfsteinen gehen wird wie der Thüringer FDP: niemand nimmt sie zur Kenntnis, niemand weiß, weshalb es sie gibt.