Presse - Details

 
14.05.2013

Alice Schwarzer liest in Greizer Vogtlandhalle

von Antje Gesine Marsch Vogtlandspiegel

Alice Schwarzer in der Greizer Vogtlandhalle.

Greiz. Es waren vor allem Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, die am Montagabend in die Vogtlandhalle strömten, um Alice Schwarzer, die wohl energischste Stimme Deutschlands für die Rechte der Frauen zu erleben. Schwarzers Autobiografie "Lebenslauf", aus der sie las, hatte beim Erscheinen für viel Furore, aber auch hohe Wellen in den Medien gesorgt.

Deutschlands berühmteste Feministin schreibt in einer höchst lebendigen Sprache über ihre Kindheit, die Erinnerung an den politischen Großvater, ihre Jahre im "Swinging Schwabing" und in Paris bis hin zur Gründung der Zeitschrift "EMMA" im Jahr 1977 und demontiert dabei eine Reihe von Negativbildern, die über sie kursieren."Nein, eine stumpfsinnige Männerhasserin bin ich nicht", so Alice Schwarzer. Auch keine "Hexe mit irrem Blick".

Mit Offenheit und einfühlsam erzählt die Feministin von der schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter, der Politisierung durch die Großeltern und dem Kampf gegen den Paragrafen 218. Trotzdem spürt man in ihren Worten keine Bitterheit. Man glaubt ihr und dem Slogan ihrer Internetseite "Der Motor meines ganzen Handelns ist die Gerechtigkeit. Alles andere wäre für mich ein verpasstes Leben", der ihr Lebensziel eindeutig feststeckt. Ein Kapitel widmete sie Irmtraud Morgner, einer DDR-Schriftstellerin, mit der sie bis zu deren frühen Tod im Jahre 1990 eine innige Freundschaft verband. Selbst beim Erinnern habe sie immer wieder Entdeckungen über sich selbst und ihre Umwelt gemacht, gestand sie. Und sie traute sich auch, selbstkritisch zu sein und mit sich hart ins Gericht zu gehen.

Natürlich polarisiert Alice Schwarzer, doch eines schwebte an diesem Abend auf jeden Fall mit: Respekt und Bewunderung für eine Frau, die wohl wie keine andere Deutschlands politische Landschaft mitprägte. Und was man ihr wohl zu 100 Prozent unterschreibt: "Ich habe mich nie einschüchtern lassen."

Eine Veranstaltung im Rahmen der Thüringer Literatur- und Autorentage in Kooperation von Lese-Zeichen e.V. und der Greizer Bibliothek.