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04.01.2013

Alice Schwarzer kommt nach Greiz: Von Frauenrechten und Bullennöten

von Katja Grieser Ostthüringer Zeitung

Bibliotheksleiterin Corina Gutmann mit der Alice-Schwarzer-Autobiografie.

Bibliothek holt am 13. Mai Alice Schwarzer nach Greiz. Cid Jonas Gutenrath berichtet im Rahmen der Vogtländischen Krimitage von seinen Erfahrungen in der Notrufzentrale. Landolf Scherzer liest in Regelschule und Gefängnis.

Greiz. Sie hat Meinung gemacht und Gemüter gespalten, wurde belächelt und verehrt, sie hat gestritten und gekämpft und ist wohl die Galionsfigur der westdeutschen Frauenbewegung: Alice Schwarzer. Die unter anderem als Redakteurin und politische Korrespondentin in Paris arbeitende Autorin gewährt in ihrer Autobiografie "Lebenslauf" Einblicke in ihr bewegtes Leben und zwar auch in Greiz. Die Bibliothek hat gemeinsam mit Lese-Zeichen e. V. Jena und der Literatur- und Kunstburg Ranis Alice Schwarzer in die Park- und Schlossstadt eingeladen, hier wird sie am 13. Mai, um 19.30 Uhr, in der Vogtlandhalle lesen.

Die Verlegerin und Chefredakteurin der Zeitschrift "Emma" beschreibt in ihrem Buch, was sie im Leben geprägt und was sie daraus gemacht hat. Sie berichtet über das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter, über die Kindheit auf dem Dorf und die Jugend in Wuppertal. Natürlich schreibt sie auch über ihre frühen feministischen Aktionen gegen den Paragraf 218 und den Skandal vom "Kleinen Unterschied".

Bereits zehn Tage später, am 23. Mai, um 19 Uhr, in der Bibliothek, steht ein weiterer Lesungshöhepunkt an. Cid Jonas Gutenrath ist einer, den man gemeinhin als harten Knochen bezeichnen würde: Heimkind, Türsteher, Marine-Taucher, Bundesgrenzschützer, Streifenpolizist und Zivilfahnder berufliche Stationen, die nicht nach Weichei klingen. Geprägt haben ihn aber offenbar vor allem die zehn Jahre, in denen er in der Berliner Einsatzzentrale Notrufe entgegennahm. Ein Junge, der sich fragt, ob seine an Krebs gestorbene Mutter tatsächlich im Himmel ist, ein Freigänger, der seine Frau mit einer Axt umbringt, Leute, die einfach nur quatschen wollen und solche, die tatsächlich in schweren Lebenskrisen stecken und Hilfe suchen, begegnen dem Polizisten da. "110 Ein Bulle hört zu", verspricht Cid Jonas Gutenrath und nennt auch sein Buch so.

Die Lesung findet im Rahmen der Vogtländischen Krimitage statt, an denen die Greizer im Vorjahr erstmals teilgenommen hatten. "Das hat sich echt gelohnt. Der Einzugsbereich ist groß und zahlreiche Krimifans auch von weiter her sind unseren Veranstaltungen nach Ende der Krimitage treu geblieben", freut sich Bibliothekschefin Corina Gutmann.

Wie in jedem Jahr, bietet die Bibliothek wieder zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an. Professor Wolf Wagner wird im Ulf-Merbold-Gymnasium vor Neuntklässlern am 5. Februar über Demokratie und Politik sprechen und auf unterhaltsame Weise dafür Interesse bei den Schülern zu wecken versuchen.

Am 8. Februar, um 14 Uhr, wird in Greiz der Kreisausscheid im Vorlesewettbewerb der 6. Klassen ausgetragen. In der Jury sitzen unter anderem der Greizer und Zeulenroda-Triebeser OTZ-Redaktionsleiter Marius Koity. "Das Facebook-Buch für Eltern" stellen Tobias Albers-Heinemann und Björn Friedrich am 28. Mai, um 18 Uhr, in der Bibliothek vor. "Wer Kinder hat, muss sich mit bestimmten Medien auseinandersetzen", ist Gutmann überzeugt und hofft deshalb auf zahlreiche Eltern und Pädagogen zur Lesung.

In der Woche des Lesens, in deren Rahmen es aber in Greiz mindestens zwei Wochen lang Veranstaltungen gibt, wird Landolf Scherzer in der Lessingregelschule sowie im Gefängnis Hohenleuben lesen. Der Termin steht noch nicht fest. Darüber hinaus stellt Hans-Jürgen Feldhaus am 12. März seinen Comic-Roman "Echt abgefahren" vor.

Ausstellungen von Schülern des Merboldgymnasiums sowie zum 17. Juni 1953 mit dem Titel "Wir wollen freie Menschen sein" werden in diesem Jahr zudem in der Bibliothek gezeigt.