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20.03.2003

'1884' ist auch 2003 noch aktuell

von Rita Specht TLZ

Jena. (tlz) "Gedankenverbrechen nannten sie es. Gedankenverbrechen konnte man auf Dauer nicht geheim halten." Das schrieb George Orwell in seinem Roman "1984". Wegen "Gedankenverbrechen" musste auch Baldur Haase büßen. Der 1939 im Sudetenland geborene Jenaer machte sich des Briefwechsels mit einem Westdeutschen schuldig, las die antisozialistische Hetzschrift "1984" und bot einem Buchverlag in Konstanz seine Schreibversuche zum Abdruck an. Das war zuviel. Die Briefe landeten im Stasi-Archiv Gera, Haase für drei Jahre und drei Monate im Zuchthaus.

1959 verurteilt, erfährt er erst 1991 eine Rehabilitation. Seitdem schreibt er, u.a. seit zwei Jahren als Gerichtsreporter für die TLZ. Seine Erinnerungen an den totalitären Staat haben Baldur Haase nie losgelassen. Deswegen spürte der bis heute verletzt, aber dennoch innerlich befreit wirkende Mann im Stasi-Archiv Gera seinen und den Spuren seiner Orwellschen Beobachter nach. Was er entdeckte, steht in seinem Buch "Briefe, die ins Zuchthaus führten". Es erlebt heute auf der Leipziger Buchmesse seine Premiere - ein gutes Ende für eine böse Geschichte. Haase 2003 zu "1984": "Es wäre leichtsinnig zu glauben, dass die von Diktaturen ausgehenden Gefahren für die Demokratie ein für allemal gebannt sind. Deshalb bleibt Orwells Werk aktuell."

"Briefe, die ins Zuchthaus führten", Baldur Haase, erschienen 2003 bei JKL Publikationen, Reihe Zeitgut, 214 Seiten, reich bebildert, ISBN 3-933336-32-5