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14.11.2006

13. Stafette soll anders werden

von Frank Quilitzsch TLZ

Jena. (tlz) Mit einem rebellischen Klaus Kinski-Abend ist am Sonntag der 12. Jenaer Lesemarathon zu Ende gegangen. Über 600 Leute lauschten dem Schauspieler Ben Becker, der aus Kinskis "Tagebuch eines Aussätzigen" vortrug und von einer Band begleitet wurde. Insgesamt können die Veranstalter bei 1200 Besuchern in 12 Veranstaltungen zufrieden sein. Neben Becker und Winfried Glatzeder, der aus Plenzdorfs "Legende vom Glück ohne Ende" las, zogen der deutsch-türkische Autor Feridun Zaimoglu und ein regionales Lyriker-Trio die meisten Zuhörer an.
"Allen Unkenrufen zum Trotz, die Lyrik ist nicht untergegangen, sie zieht wieder in die Welt", freute sich Martin Straub vom Lese-Zeichen e. V. Dies sei in erster Linie so selbstbewusst auftretenden jungen Dichterinnen wie Uljana Wolf und Nancy Hünger zu danken, erklärte die Leiterin der Jenaer Ernst-Abbe-Bücherei, Annette Kasper. Für die promovierte Germanistin war dies die größte Überraschung des Lesefestivals. Hingegen hätten ihrer Meinung nach politisch engagierte Sachbuchautoren wie Heiko Engelkes und Jürgen Roth oder der Auftritt des israelischen Dramatikers Joshua Sobol am 9. November mehr Publikum verdient. Gerade an diese Lesungen schlossen sich lange, leidenschaftlich geführte Diskussionen an, konstatierte Angela Schubert, die für den Ablauf zuständige Bibliothekarin.

Nach zwölf Jahren Staffellauf sei es an der Zeit, Teile des Konzeptes neu zu überdenken und Wege zu suchen, weitere Leserschichten zu gewinnen, meinte Schubert. "Der Lesemarathon der Zukunft muss den differenzierten Interessen noch besser gerecht werden, beliebte Auftrittsorte in der Stadt einbeziehen und mehr Angebote für junge Leute bieten", so Straub. Großen Zuspruch fänden Lesungen mit dem Jenaer Theaterhaus, wo am 25. November in einer Langen Nacht der Autoren der Lenz-Preis für junge Dramatik vergeben wird. Kasper: "Der 13. Marathon 2007 wird anders."