Textlese. Im Gespräch mit Dominik Dombrowski und Mario Osterland


„Ich sage mir nichts“ von Dominik Dombrowski ist ein Album des Misstrauens, des Zweifels an banalen Antworten und Kausalitäten. Wie ein Alpaka, das unter Kamelen aufwächst – der eigenen Gattung seltsam entfremdet, immer ein wenig daneben, dem Alltag entrückt – spürt Dominik Dombrowski verschollenen Prägungen nach. Manchmal kommen Zeugen zu Wort: eine Radiostimme, die Nachbarin Norma, sein Doppelgänger, eine Pflanze, die Teil seiner Seele ist, tote Bahnhöfe, ein Baumstamm, Tierattrappen.
Es ist eine Lyrik des Unterwegsseins auf Abwegen, die Rätsel heraufbeschwört, ohne an ihnen zu rühren. Dombrowskis Erzählgedichte sind Dämmerungsjobs, stets besorgt ob des zunehmenden Ausbleibens der Gespenster. Gedichte, die am Abend beginnen. Dem Abend, an dem man das Haus verlässt zu einem Nachtspaziergang, um man sich am Ende auf dem Mond wiederzufinden – sitzend auf einem Stuhl.

Nicht selten kursieren schon kurz nach der Meldung von ihrem Tod letzte Fotos namhafter Verstorbener auf allen Kanälen. Persön­lichkeiten, die man in ihrem öffentlichen Leben begleitet hat und manchmal Teil des eigenen Lebens werden ließ. Menschen, die wir bejubeln und bewundern, irgendwann betrauern, vielleicht sogar wie verstorbene Freunde. Was lässt sich in ihren Bildern erkennen? Welche Geschichten erzählen sie? Wie prägen sie das oftmals end­ gültige image dieser Persönlichkeiten? Anhand von letzten offiziellen Pressefotos, privaten Schnappschüssen und kolportierten Fälschun­ gen werden diese und andere Fragen in Mario Osterlands band "final image" in Wort und Bild um­ kreist.


Zeit: Montag , 27.07.2020 , 19:30 Uhr


Ort: Schillers Gartenhaus Jena


Eintritt : kostenlos


Veranstalter: Lese-Zeichen e.V., Schillers Gartenhaus